Frankreichs Süden, Lavendel, Olivenöl und Natur pur.

Bestimmt kennt ihr alle das Gefühl, das der Winter immer viel zu lange dauert. Sicher man kann in unseren Gefilden mittlerweile auch in diesen Monaten fahren, aber so wie das Salz auf der Straße der Maschine auf Dauer zusetzt, so reagiert der Körper des Fahrers mit der Zeit angestrengt auf die Kälte ,,und bitte jetzt keine Bemerkungen von wegen richtiger Kleidung und so“. Wirklich schön Motorrad fahren ist anders und tatsächlich gibt es Wege dem tristen Wetter zu entfliehen. Vor kurzem hatte ich zusammen mit den Endurofun-Tours die Möglichkeit einen dieser Wege kennen zu lernen, die Drome Region im Vercors. Und der Frühling, ja der war bereits da.

Nach unserer etwas längeren Anreise durch Frankreich ist der Startpunkt durch die Region Tain l’Hermitage. Ein verschlafener Ort direkt an der Rhone gelegen, der vom Weinbau und dem aufstrebenden Tourismus der Gegend lebt. Die Gastfreundschaft der Menschen hier, den lokalen Wein, sowie das regionale Essen konnten meine beiden Begleiter und ich an diesem Abend im Restaurant Le Mangevins in vollen Zügen genießen. Beim späteren Spaziergang durch die Straßen und entlang der Uferpromenade laden die romantischen Cafés und Bistros zum Verweilen ein. Das Hotel Castel, in dem wir untergebracht sind ist guter Standard mit leichten Abzügen in der F (F für Frühstück) Note. Das Frühstück ist wie sich am nächsten Morgen raus stellt etwas zu sehr Französisch.

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Die Sonne ist schon aufgegangen als wir in den ersten offiziellen Tourtag starten und wie bestellt erstrahlt der Himmel in tiefstem blau. Spürbar steigt bereits am Morgen die Außentemperatur, sodass wir nach dem bereits erwähnten französischen Frühstück schnell in Richtung Süden aufbrechen. Vorbei am Wasserkraftwerk bei Beaumont-Monteux und der Gebietshauptstadt Alixan führt uns die Route gradewegs hinauf auf den Col de Tourniol, der sich freundlicherweise für die ersten Fotos zur Verfügung stellt. Danach folgen wir den verwinkelten Straßen der Gegend hoch zum Col de La Machine. Dessen spektakuläre Straßenführung am Combe Laval, mit den in die Felsen geschlagenen Tunnel und Felsüberhängen ist wahrlich beeindruckend. Der Blick über die niedrigen Steinbrüstungen fällt tief ins Tal unter uns und in die grüne Ebene aus der wir heraufkamen. Wenn jemand eine Postkartenidylle sucht, hier findet er sie garantiert. Nach dem ausgiebigen Fotoshooting dort oben führt uns unser Weg über die Passhöhe und vorbei am Kriegsdenkmal Memorial de la Restistance. Im Hintergrund der Szenerie die noch schneebedeckten Berge in Richtung Col de Rousset. Wie bei einer Achterbahn, folge ich Kurve an Kurve dabei mit der Speed Triple der bollernden schwarzen Ducati Monster von Philippe vor mir. Bevor es mit der zweiten Tagesetappe weitergeht, ist aber erst einmal Mittag angesagt. Ein Essen, mehrere Gespräche mit Motorrad- und Fahrradreisenden aus Deutschland und Frankreich und einen Espresso später liegen dann die nächsten Kilometer des Tages mit dem Col de Rousset vor uns. Der schlängelt sich einem Lindwurm gleich weit hinunter ins Tal, bis zum heutigen Etappenziel der Stadt Die. Von oben sieht das alles noch so winzig aus doch auf dem warmen Asphalt kleben die sportlichen Pirellis der Speedy so gut, dass sich das zügig ändert. Wir saugen uns förmlich durch das Kurvenlabyrinth hinunter ins Tal.

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Die, aus einer alten römischen Siedlung erwachsen und heute eine sehenswerte Stadt mit Besonderheiten. Zum Beispiel gibt es hier den Clairette de Die, eine spezielle Art des Schaumweines der in Flaschen heranreift. In der Sektkellerei Jaillance sind die bei der Außentemperatur sehr erfreulich kühlen Keller voll davon. Wir bekommen an diesem Nachmittag einige sehr interessante Einblicke in die Herstellung des prickligen Getränkes. Und nicht nur das, denn nach dem Rundgang wird das gesehene bei einer Verkostung im Selbsttest vertieft. Nicht nur der Clairette bekommt von uns das Prädikat sehr empfehlenswert, auch die Weine die dargeboten werden sind klasse. Ebenso wie im späteren Verlauf des Abends auch unser Abendessen im Hotel La Petite Auberge unserem heutigen Hotel. Ein von außen etwas altbacken wirkendes Haus, mit deutschsprachigem Chef. Das Essen ist top, die Zimmer sehr geräumig und schön.

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Auch der neue Tag empfängt uns wieder recht früh und sonnig. Das heutige Frühstück hat das Potenzial dazu diesen Tag perfekt starten zu lassen. Doch spätestens beim Beladen der Bikes wird uns klar, dass auch heute das Thermometer wieder rasend schnell ansteigt. Also ist Gas geben angesagt, um die noch anstehende Stadtbesichtigung mit Wochenmarkt schnell hinter uns zu bringen. Kaum sind die Motorräder abgestellt, werden Michael, Philippe und ich auch schon von unserer Begleitung am Tourismusbüro in Empfang genommen. Historische Plätze, kleine Gassen wie auch geheime Zimmer gibt es zu entdecken, aber der Ausblick vom Turm der Kirche sowie der anschließende Gang über den Wochenendmarkt sind eindeutig das Highlight des Morgens. Schnell decken wir uns nach der Führung noch mit allerlei Leckereien ein, bevor uns die Straße wieder hat. Kurs Südwest ist gesetzt, über die D135 und die D173 verabschieden wir uns erst einmal vom Fluß Drome. Kiefernwälder säumen hier große Landflächen rechts und links der Straße und machen einen ebenso großen Eindruck wie die wild verwaschenen Formen des umliegenden grauen Tuffgesteins der Felsen. Die Sonne steht bereits hoch am Himmel, als Michael vor uns den Blinker setzt, um auf einem Naturparkplatz am Col de Pre Guittard mit uns zu picknicken. Schinken, Salami, Käse, Oliven und ein Brot vor uns auf dem Tisch, sowie die Natur um uns herum, was braucht es mehr um glücklich zu sein? Die Antwort ist so naheliegend und einfach ‚Nichts‘. Wir genießen es sichtlich nicht unter dem üblichen täglichen Stress zu stehen, verweilen nach dem Essen noch eine wenig hier, ruhen, bevor wir unsere Reise fortsetzen. Das Ziel des heutigen Tages ist Nyons und bis dorthin ist es zum Glück noch ein Stück. Entlang des Flusses Arnayon geht es durch die nun karger wirkende Felslandschaft, vorbei an ausgewilderten Geiern, die in der Thermik über uns ihre Kreise ziehen. Trotz der jetzt mittäglichen Hitze halten wir noch zu einem weiteren Fotoshoot an. Zu schön und eng schmiegen sich die Straßen hier an die Felsen, als das man es einfach so links liegen lassen könnte.

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Entlang der D570 schließlich passieren wir am frühen Nachmittag die Passage de Rochesourde und den Col de la Croix Rouge der mit seinen 513 Höhenmetern zwar nicht an Höhe heraussticht, aber durch seine abwechslungsreiche Streckenführung zu begeistern weiß. Dem Fluss L’Eygues über die gut ausgebaute D94 folgend nehmen wir die letzten schnellen Kurven des Tages mit bevor wir am Hotel La Picholine in Nyons ankommen. Viel Zeit zum Ausruhen bleibt uns leider auch heute nicht, da noch zwei Besichtigungen anstehen. Auch Nyons ist alt, die Lage malerisch schön und die Besucher verfallen sichtlich dem Idyll dieser Stadt. Zudem hat sie eine Lavendelölproduktion und gehört damit zur Lavendelroute der Regionen Drome und Vaucluse. Bei einer Führung durch das Museum wird von der Entstehung der Sorten, über die verschiedenen Erntemethoden der Epochen, bis hin zu den Gewinnungsarten der Vergangenheit und Zukunft alles erklärt. Auch in welchen Produkten Lavendel enthalten ist, wird für den Einen oder Anderen wahrscheinlich sehr überraschend sein. Doch das ist bei weitem noch nicht das Einzige was es zu entdecken gibt. Hinzu kommt die mittelalterliche Steinbrücke Pont de Nyons die sich über den Fluß L’Eygues spannt und der altehrwürdige Marktplatz. Letzter offizieller Tagespunkt nach dem Lavendel ist das Museum La Scourtinerie. Ursprünglich stellte man hier Scourtins, daher auch der Name des Museums her. Diese aus Pflanzenfasern gefertigten Matten dienten lange Jahre als Filter für die Pressen beim Keltervorgang der Oliven. Heute benötigt man sie dafür nicht mehr und Annike Guillaume ist der letzte Überlebende dieser Zunft, weil er seine Produktion auf hochwertige Teppiche und Fußvorleger umstellen konnte. Da er deutsch spricht erfährt man sehr viel über die Herstellung, wie auch über die Geschichte von Annike und seiner Familie. Mit diesen Eindrücken beenden wir unsere heutige Sightseeingtour und fahren zurück ins Hotel. Für den Pool ist es nun leider schon zu spät geworden und so beziehen wir einen der sonnigen Tische auf der ausgedehnten Hausterrasse wo drei hungrige Biker auf das Abendessen warten. Mit all den Eindrücken des heutigen Tages gehen wir nach einem 3 Gänge Menü gut genährt ins Bett.

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Der letzte Tag unserer Rundreise durch die Dromeregion beginnt wie sollte es anders sein ebenfalls mit Sonnenschein und dem Duft der Olivenbäume vorm Haus. Der heutige erste Tagespunkt sieht die Besichtigung des Olivenölmuseums vor. Scourtins, Werkszeuge und alte Pressen sind ausgestellt. Auch hier wird wie beim Lavendel am Vortag alles von der Ernte bis zu den Endprodukten gezeigt. Und die Geschichte der schwarzen Frucht, die es nicht immer leicht in dieser Region hatte ist lang. Michael, Philippe und ich sind jedenfalls begeistert vom gebotenen und freuen uns über die Flasche Olivenöl die wir geschenkt bekommen.

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Kurz vor Mittag nehmen wir Abschied von Nyons und brechen zur heutigen Etappe auf. Die führt uns über Teyssieres vorbei an Lavendelfeldern, Olivenhainen und Obstwiesen in den Ort Dieulefit. Nachdem wir einen geeigneten Parkplatz für die Mopeds gefunden haben, gibt es zum Mittagessen am Dorfplatz heute jazzige Blasmusik, Tanz und einen französischen Hamburger. Eine tolle Showeinlage bevor wir die Reise nach Grignan fortsetzen. Übers flacher werdende Land rollen wir vorbei an kleinen Ortschaften, Gehöften und mitten hinein zum Tourismusbüro der Stadt. Das mittelalterliche Schloss ist hier der Anziehungspunkt Number One.

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Erging es diesem Gemäuer nicht anders als vielen Schlössern nach der französischen Revolution, wurde die Ruine irgendwann von einer netten alten Dame gekauft, die sie wieder herrichtete und so für künftige Generationen erhielt. Natürlich sollte man in diesem Zusammenhang auch nicht die berühmten Briefe der Madame de Sevigne und ihrer Tochter der Madame de Grignan aus dem 17. Jahrhundert vergessen. Mit diesen königlichen Hofberichten gingen die beiden Damen wohl als erste Bloggerinnen in die Weltgeschichte ein. Der Ausblick von der riesigen Gartenterrasse des Schlosses ist phänomenal, ebenso wie die riesigen Teppich behangenen Hallen im inneren, die den Prunk dieses alten Gebäudes mitbestimmen. Die Führung verläuft lustigerweise dreisprachig, da wir uns nicht wirklich auf eine Sprache einigen können. Michael und ich verfallen immer wieder ins Deutsche, während Philippe dann französisch kontert und unsere Führerin alles zusammen in Englisch bündelt. Wieder draußen hat der aufkommende Wind hat nicht viel Gutes im Gepäck. Die Wolken werden dichter, sodass wir alsbald beschließen uns zu verabschieden.

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Um dem Regen ein Schnippchen zu schlagen verkürzen wir die Strecke nach Cliousclat. Glücklicherweise wie sich kurze Zeit später herausstellt, denn kaum in der Unterkunft angekommen öffnet Petrus seine Schleusen. Schade für die eigentliche Route gut für uns, dadurch haben wir die Zeit diesen autofreien Ort einmal ausgiebig zu erkunden und zu sehen was er zu bieten hat. Außer dem mit 3 Sternen ausgezeichneten Hotel La Treille Muscate, gibt es einige Töpfereien, Cafés und natürlich Restaurants umrahmt und gemauert aus alten Bruchsteinen. Wie nah hier unberührte Natur und zerstörerische Menschenkraft koexistieren wird einem schnell bewusst, wenn man Richtung Tal zur Rhone schaut und die Meiler des dort arbeitenden Atomkraftwerkes sieht. Doch diese Gedanken halten jetzt nicht lange an, denn wir genießen unseren letzten gemeinsamen Abend, beim anstehenden Dinner, dass seinem Namen alle Ehre macht. Noch einmal lassen wir die gemeinsamen Tage Revue passieren bevor am folgenden Morgen die Heimreise ansteht.

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Mein Fazit dieser Reise:

Ob mit oder ohne Motorrad die Drome ist es wert entdeckt zu werden. Die Menschen sind offen, freundlich und hilfsbereit, ganz anders als die allgemeine Meinung dies hier einen immer glauben lassen möchte. Leben wie Gott in Frankreich heißt ein Sprichwort und das trifft in jeder Beziehung für die Gegend zu. Die Landschaft hat ihre ganz besonderen Reize und recht oft hat man als Deutscher das Gefühl die Uhren laufen hier etwas langsamer und ruhiger als bei uns.

Danke an Endurofun-Tours Jochen Ehlers und Michael Dietrich für diesen tollen Trip.
Bilder dieses Berichtes sind von Michael Dietrich, Philippe Chanin und Mir.

Französische Grüße und LifeisaRide

Torsten Thimm

1 Kommentar

  1. Sehr schöner Tourbericht! Erinnert mich an meine (leider total verregnete) Tour in den Vercors 2014 (wie die Zeit vergeht 😉

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