Motorradtour: Italien nördlicher Apennin (English Version in Between)

In unserer heutigen Zeit sucht man neben dem Alltäglichen sehr oft das Spezielle, was wiederum gar nicht so einfach ist und so zum Besonderen werden kann. So gesehen ist es also nicht verwunderlich, dass wir Motorradfahrer dies auf die Länder, Tourengebiete, ja sogar auf die einzelnen Strecken beziehen die wir bereisen. Immer versucht etwas zu entdecken, was andere vorher noch nicht gesehen haben. Daher ist es auch nicht gerade verwunderlich, dass ich an diesem Junimorgen den Rollladen in einem Hotel in Pievepelago im nördlichen Apennin öffne und nicht irgendwo an der Ardeche, oder in den Dolomiten. Denn wer kennt schon den Apennin?

In this day and age, we often look for the special in addition to the everyday, which in turn is not so easy and can thus become the special. So it is not surprising that we motorcyclists relate this to the countries, touring areas, even to the individual routes we travel. Always trying to discover something that others have not seen before. So it’s not exactly surprising that on this June morning I open the shutter in a hotel in Pievepelago in the northern Apennines and not somewhere on the Ardeche, or in the Dolomites. After all, who knows the Apennines?

Der Apennin/ The Apennin

Ja er ist, ein etwas weniger bekanntes Gebiet, obschon nicht weit weg von den großen historischen Städten wie Pisa und Lucca und auch Pistoia gelegen. Über ihn verläuft Italiens Hauptwasserscheide und mit dem Col di Cadibona (436m) bildet er die Grenze zu den ligurischen Alpen. Doch was soll es hier schon zu entdecken geben wird sich bereits jetzt der Eine oder andere Fragen, wenn er die Höhe des Cadibona liest? Die Antwort ist zu Beginn unseres ersten Tourtages auch für mich noch nicht so einfach zu geben. Aber das sollte sich alsbald ändern.

Yes, it is a lesser known area, although it is not far from the great historical cities of Pisa and Lucca and also Pistoia. Italy’s main watershed runs over it and with the Col di Cadibona (436m) it forms the border to the Ligurian Alps. But what is there to discover here? Some of you may already be wondering when you read the altitude of the Cadibona. At the beginning of our first tour day, the answer is not so easy to give, even for me. But that should change soon.

Weiße Berge/White Mountains

Das Ziel für heute sollen die Marmorsteinbrüche von Massa und Carrara werden und danach eine Badesession im Mittelmeer. Schöne Gedanken und so geht es nach dem etwas sehr italienischen Frühstück auch schon los. Unter Saschas Führung wird uns bereits nach den ersten Kilometern klar, dass wir uns hier nicht in einem Motorradgebiet für Anfänger befinde. Höchst anspruchsvoll reiht sich Kurve an Kurve auf der für die Gegend typisch rot schimmernden SP72 nach Cipressi aneinander und fordert sofort unsere volle Aufmerksamkeit. Jede Gerade dazwischen wirkt schnell wie eine kleine Erholung und das reißt über den gesamten Tag hinweg nicht ab. Mit einem solchen Kurvenaufkommen hätte hier zwischen Toskana und Emilia Romagna keiner von uns gerechnet. Um dem ganzen Schauspiel einen Rahmen zu verpassen, kommt die überwältigende Natur als Theaterkulisse und bunter Hintergrund gleich noch mit dazu. Dieser Tag ist ein Geschenk voller Gerüche der vorbeiziehenden grünen Wiesen und dunklen Mischwälder die sich in meinem Helm fangen und am Visier vorbeiziehen. Dazwischen hallt der dumpfe Sound der TRX bis tief hinein in die Täler die wir auf unserem Weg durchquere.

The destination for today is the marble quarries of Massa and Carrara, followed by a swim in the Mediterranean. Nice thoughts and so we set off after a somewhat very Italian breakfast. Under Sascha’s guidance, we realise after the first few kilometres that we are not in a motorbike area for beginners. Bend after bend on the red SP72 to Cipressi, which is typical for the area, is extremely demanding and immediately demands our full attention. Every straight in between quickly feels like a little rest, and that doesn’t stop throughout the day. None of us would have expected such a volume of bends here between Tuscany and Emilia Romagna. To give the whole spectacle a framework, the overwhelming nature is added as a theatrical backdrop and colourful background. This day is a gift full of the smells of the passing green meadows and dark mixed forests that catch in my helmet and pass by my visor. In between, the muffled sound of the TRX echoes deep into the valleys we cross on our way.

In Castelnuovo Di Garfagnana biegen wir zunächst auf die SP445 ab und folge ihr am Fluß Serchio bis nach Poggio, um dort unsere Reise auf der SP69 in Richtung Süden weiter fortzusetzen. Hier wird die Fahrbahn noch enger, die Kurven noch ein wenig spitzer und vor allem die zur Entspannung dienenden Geraden noch weniger. Die hoch in und an die Berge gebauten Ortschaften ziehen an uns vorbei und man fragt sich wie das alles zu der damaligen Zeit so möglich war. Doch viel Zeit für diese Gedanken bleibt nicht, denn die nächste Kurvenkombination wartet bereits auf uns. So vergeht ein sensationeller Vormittag bis wir gerade aus einem Tunnel heraus gefahren komme und sie vor uns liegen sehen.

In Castelnuovo Di Garfagnana, we first turn onto the SP445 and follow it along the river Serchio until we reach Poggio, where we continue our journey south on the SP69. Here the road becomes even narrower, the bends a little more acute and, above all, the straights that serve to relax even less. The villages built high in and against the mountains pass us by and one wonders how all this was possible at that time. But there is not much time for these thoughts, because the next combination of curves is already waiting for us. So a sensational morning passes until we just come out of a tunnel and see it in front of us.

Die berühmten Steinbrüche von Massa-Carrara. Bereits seit dem Ende der römischen Republik wird hier der weiße Stein auf rund 1000 Meter Meereshöhe abgebaut. Doch erst die Renaissance, genauer Michelangelo machte ihn zu dem was er heute noch ist. Eine Art weißes Gold. An diesem klaren Tag reicht der Blick von hier oben aus weit über die Marmorfelsen hinaus, sodass am Horizont bereits das glitzernde Mittelmeer zu sehen ist. Nachdem die Maschinen an einem schönen Platz erst einmal verstummt sind, herrscht nun idyllische Ruhe. Nur der Wind pfeift sein Lied durch die wilde Szenerie. Außerhalb der Ferienzeit hat man dieses Gebiet beinahe für sich alleine, muss sich aber auch mit einigen Gegebenheiten anfreunden. Einige Restaurants machen eben nur abends ihre Pforten auf und Pizza gibt es sowieso auch nur dann, da die Wirte mittags die Steinöfen nicht anwerfen. Da es zugegebenermaßen schon Mittag ist, ist das gerade für uns auch ein wichtiges Thema und daher machen Marc und Klaus noch ein paar Bilder und wir brechen erneut auf mit dem Ziel Massa und dem Strand für ein Picknick. Noch einmal schlingt sich die SP13 ins Tal hinunter bevor wir an einem der öffentliche Strände ankommen. Weißer Sandstrand soweit das Auge reicht. In der Tat kommen wir uns tatsächlich vor wie an einem dieser im Reisekatalog beschriebenen Pauschalurlauberstränden, nur das der hier nicht so überfüllt ist. Das Picknick indes läuft, wer baden gehen will geht baden und der Rest genießt die Sonne auf der Haut.

The famous quarries of Massa-Carrara. The white stone has been quarried here at around 1000 metres above sea level since the end of the Roman Republic. But it was not until the Renaissance, or more precisely Michelangelo, that it became what it still is today. A kind of white gold. On this clear day, the view from up here stretches far beyond the marble rocks, so that the glittering Mediterranean can already be seen on the horizon. After the machines have first fallen silent in a beautiful spot, idyllic silence now reigns. Only the wind whistles its song through the wild scenery. Outside the holiday season, you have this area almost to yourself, but you also have to make friends with some conditions. Some restaurants only open their doors in the evening and pizza is only available then anyway, as the landlords don’t fire up the stone ovens at lunchtime. Since it is admittedly already noon, this is also an important topic for us, so Marc and Klaus take a few more pictures and we set off again with the destination Massa and the beach for a picnic. Once again the SP13 winds its way down into the valley before we arrive at one of the public beaches. White sandy beaches as far as the eye can see. In fact, we feel like we are on one of those package holiday beaches described in the travel catalogue, only this one is not so crowded. Meanwhile, the picnic is on, those who want to go swimming go swimming and the rest enjoy the sun on their skin.

Und apropos Sonne, die hat ihren Horizont schon etwas überschritten als ich wieder aufwache. Sonnenschutzfaktor 8 war wohl doch etwas zu wenig für heute, das zumindest spiegelt mein Gesicht wieder bevor wir uns zusammenraufen und weiterfahren. Zurück auf dem Bike und raus aus Massa, führt uns Sascha an diesem Nachmittag zurück auf das Besondere. In diesem Fall ist es die SS446 die uns zurück in den Norden und in die Berge bringt. Wir folgen dabei gerne ihren Kurven bis Marciaso und wechseln dort ein weiteres Mal die Straße, diesmal auf die SP10. Durch zum Teil dicht bewaldete Gebiete folge ich meinem Vordermann über das zernarbte Teerband immer weiter in Richtung Grenzlinie zwischen Toskana und Emilia Romagna. Und auch hier reiht sich wie sollte es auch anders sein erneut eine Kurve an die Nächste.

And speaking of the sun, it has already passed its horizon when I wake up again. Sun protection factor 8 was probably a bit too little for today, at least that’s what my face reflects before we pull ourselves together and ride on. Back on the bike and out of Massa, Sascha takes us back to the special this afternoon. In this case, it’s the SS446 that takes us back north and into the mountains. We like to follow its curves until Marciaso, where we change roads again, this time onto the SP10. Through partly densely wooded areas, I follow the man in front of me over the scarred tarmac further and further towards the borderline between Tuscany and Emilia Romagna. And here, too, how could it be otherwise, one curve follows the next.

Nach einer weiteren Pause in Capanne, in der man uns mit hausgemachtem Kuchen und einem leckeren Cappuccino verwöhnt, setzten wir uns zum letzten Teil der Tagesetappe auf unsere Motorräder und sind kurze Zeit später wieder zurück auf der Emilia Romagna. Der SP18 und SP59 folgend sehen wir wie sich das Land langsam weiter öffnet und wechseln in Villa Minozzo auf die SP9, die uns noch einmal zum Fotostop an die Cascata del Golfarone führt und von da aus zurück nach Pievepelago. Kaum zu glauben das dieser eine Tourtag 291km umfasste und die Möglichkeiten für die nächsten Tage nicht weniger als das versprechen.

After another break in Capanne, where we are treated to homemade cake and a delicious cappuccino, we get on our bikes for the last part of the day’s stage and a short time later we are back on the Emilia Romagna. Following the SP18 and SP59, we see the countryside slowly opening up further and change to the SP9 at Villa Minozzo, which takes us once more to the Cascata del Golfarone for a photo stop and from there back to Pievepelago. It’s hard to believe that this one day of touring covered 291km and the possibilities for the next few days promise nothing less.

Fazit

Das Besondere stand am Anfang dieser kleinen Geschichte! Und ja ich kann es nur bestätigen, für jeden der es erleben will, hat dieses Gebiet etwas Besonderes parat. Reine Motorradfahrer werden eine unzählbare Zahl an Kurven vorfinden und sich wie wir über jede noch so kleine Gerade dazwischen freuen. Jene die die Tour mit Sightseeing verbinden wollen haben mit Pistoia, Lucca und Pisa eine Menge historisches zu bestaunen und zu entdecken. Für mich persönlich war es eine der bisher schönsten Reisen, wobei ich heute nicht mehr in einem Hotel in Pievepelago übernachten würde, sondern auf einem der tollen umliegenden Agritourismen in der Gegend.

The special was at the beginning of this little story! And yes, I can only confirm that this area has something special in store for everyone who wants to experience it. Pure motorcyclists will find an uncountable number of bends and, like us, will be happy about every little straight in between. Those who want to combine the tour with sightseeing have a lot of historical sights to marvel at and discover in Pistoia, Lucca and Pisa. For me personally, it was one of the most beautiful trips so far, although I would no longer stay in a hotel in Pievepelago, but in one of the great surrounding agritourisms in the area.

In diesem Sinne LifeisaRide und schöne Grüße Torsten Thimm

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