Slowenien…….Unterwegs im Land des Wassers

Der Dachvorsprung der Hotelgarage hier in Krün bietet nur mäßigen Schutz vor dem strömenden Regen, der sich seit ein paar Stunden über uns ergießt. Was aber mittlerweile auch egal ist, denn nass sind wir alle vier sowieso schon. Nach dem Abladen der Motorräder in Nesselwang gestartet hätten wir uns in unseren kühnsten Träumen nicht gedacht, dass die Wettervorhersage mit vereinzelnden Regenschauern DAS meinte, was sich gerade über uns entlädt. Unser geplantes Etappenziel Pertisau am Achensee jedenfalls ist für heute ins Wasser gefallen, weswegen wir nach einer ausgiebigen Trocknung unserer Gliedmaßen und Klamotten zum gemütlichen Teil übergehen und erst einmal ein zünftiges bayrisches Abendessen mit einigen Weißbieren genießen.


Slowenien
Unterwegs ins Land des Wassers, ja nach dem gestrigen Einstieg waren die Meinungen darüber dann doch etwas gespalten. Denn wir hatten eine erheblich romantischere Vorstellung darüber, wie das auszusehen hat. Fließende Bergbäche, Wasserfälle, Seen und vor allem auch das Socatal über das wir im Vorfeld schon so einiges gelesen hatten. Doch als ob Petrus selbst Motorradfahrer wäre, lässt er am folgenden Morgen Gnade walten und begrüßt uns zwar noch mit etwas dunstigem Nebel, aber zugleich auch mit einem vielversprechenden sommerlichen Blinzeln der Sonne. Zeitig brechen wir auf mitten hindurch durch das Naturschutzgebiet am Riedboden. Folgen der idyllischen Landschaft aus fließendem Wasser, Stein und leerem Teer in Richtung Achensee.

Nachdem wir die obligatorischen Fotos mit Mopeds, ohne Mopeds und alles zusammen im Kasten haben geht’s weiter. Über die nicht nur landschaftlich schöne 165 passieren wir das Zillertal und den Gerlos. Die Maut jedoch sparen wir uns heute, finden den Abzweig der alten Gerlosstraße und kommen über den schmalen, stark bewaldeten Teil in Rosental raus. Die noch weißen Bergspitzen schließen uns zu rechten und linken ein und machen deutlich klar, dass der Winter hier am Großvenediger etwas länger dauert als in unseren Mittelgebirgen. Beim mittlerweile anstehenden Picknick, ein Stück abseits des Trubels und mitten im Feld, verfalle ich dann auch schnell in Gedanken. Diese mächtige Natur um uns herum. Es ist schon verrückt, was Sie alles kann und aufbietet, um uns Menschen zu begeistern. Schade nur, dass wir ihr viel zu oft, viel zu wenig Aufmerksamkeit schenken in unserem selbstverursachten hektischen Alltag.


Aber Klaus und Sascha holen mich aus den Gedanken zurück. Mit dem Blick auf die Uhr wird klar, dass wir den verpatzten Start von gestern (da war sie wieder die Hektik) noch aufholen sollten. Zumal mit dem Großglockner als Nächstes ein echtes Highlight der Hochalpinen Welt ansteht. Ja die Glockner Welt an sich hat für den Eintrittspreis von über 20 Euro pro Bike einiges zu bieten, jedoch für den der nur drüberfährt, ist es happig. Darüber tröstet auch der Aufkleber nicht hinweg, den man am Mauthäuschen dazu bekommt. Nichtsdestotrotz ist es ein Teil unseres Weges und recht schnell kommen wir in den höheren Lagen des Massivs noch einmal zurück in den ausklingenden Winter. Nach den zwar feuchten aber gut ausgebauten Kurven wird die Anfahrt zur gepflasterten Edelweißspitze noch einmal tricky, bevor wir den grandiosen Blick über Österreichs Bergwelten genießen können. Nach einem Kaffee ändert sich dann auch langsam wieder der Zustand der eingefrorenen Finger, bevor wir uns in der Viererkette ins Tal nach Heiligenblut hinabschwingen. Vorbei an der berühmten Kirche kommen wir wieder in Gefilde, in denen auch die Sommerhandschuhe nicht überfordert sind.

Die nachmittägliche Sonne hat uns wieder und wir mit ihr die Wärme des Junis zurück. Noch einmal zieht uns die Straßenbaukunst der Gegend in Form und Kurven der Nassfeldstrasse in ihren Bann, bevor wir in Podkoren unsere Unterkunft für die Nacht finden. Das nun also ist Slowenien, doch wo ist das versprochene Wasser? Diese Frage bleibt für den Abend unbeantwortet außer in unseren Gläsern.


Zumindest ausgeschlafen sind wir am nächsten Morgen, denn die Ruhe der Nacht hier auf dem Land ist schon wirklich erschreckend, für Menschen, die in der Nähe von Frankfurt oder einer anderen deutschen Großstadt leben. Nach dem wirklich feudalen Frühstück sitzen Marc, Klaus, Sascha und ich wieder auf den Maschinen und überqueren den Wurzenpass zurück nach Österreich. Auch wenn das jetzt für einige Leser merkwürdig klingen mag, wir hatten es so geplant. Der Wurzen an sich hat es wirklich in sich und bietet Kurven soweit das Auge reicht. Leider aber auch einige sehr rücksichtslose und sinnbefreite Autofahrer, die meinen an den unmöglichsten Stellen Lücken zu sehen, um zu überholen. Vorbei an Ferlach und Eisenkappel überschreiten wir nach einigen Schlenkern mittags erneut die Grenze zu Slowenien. Im Touringmodus geht es so über kleine verwinkelte und zum Teil sehr rutschige Straßen den Tag durchs Land weiter, bevor wir am frühen Abend in Bled ankommen. Und immerhin hier gibt es Wasser in Form des vorgelagerten Sees. Schnell ist eine passende Unterkunft gefunden und nach dem Duschen führt uns der Weg geradewegs zum Wasser. So eine Tour außerhalb der Hauptreisezeit hat schon ihre Vorteile gerade auch was die Unterkünfte und vor allem die Ruhe in den touristischen Gebieten angeht. Der Abend jedenfalls vergeht unaufgeregt und mit einem sehr Fisch lastigen Abendessen und dem Blick zum See. Bis hierhin hatten wir unsre Tour ursprünglich erst einmal geplant und so beenden wir den Abend bei einem Absacker in der Hotelbar und mit der Planung für den nächsten Tourtag.


Ich bin gerade noch in meinen Träumen am Glockner unterwegs, als mich Hahnengeschrei aus der Kurve 10 reißt und die Nacht beendet. Mei das war knapp, denke ich mir noch bevor ich realisiere, dass ich einfach nur aufgewacht bin. Sascha ergeht es wohl ähnlich, denn auch er schaut etwas verdutzt aus der Wäsche. Vorteil des Ganzen ist jedenfalls, das da wo Hähne sind, meist auch Hennen rumrennen und somit das Frühstück zünftig mit Rührei, Spiegelei und Ei in anderen Formen ausfällt. Um den Tag möglichst spannend zu gestalten, bewegen wir uns heute über wirklich kleinste Straße in Richtung Ljubljana, sodass sich die normal 50 km lange Strecke auf knapp das Dreifache verlängert. Erneut gibt es die volle Ladung Natur und gleichwohl tolle Aussichten, grüne Wiesen und eine Menge fließendes Wasser was uns den Tag über auf unseren Wegen begleitet. Hinzu kommt eine kleine ungeplante Offroadeinlage von mehreren Kilometern durch dichten Wald, bis wir nach einem weiteren ausgiebigen Picknick die ersten Ausläufer der Hauptstadt erreichen.
Ernüchternd zeigt sich die Vorstadt mit ihren typisch östlichen Plattenbauten. Es dauert eine ganze Zeit, bis wir ein einigermaßen passendes Hotel finden können, was die Laune in dem städtischen Getümmel nicht gerade anhebt. Erst in der Innenstadt von Ljubljana ändert sich dieser erste Eindruck, denn die alten Gebäude stahlen ein ganz besonderes Flair aus. In der Nähe des Flusses finden wir dann auch eine schicke Pizzeria und lassen uns eins ums andere Mal das Abendessen schmecken. Nach ein wenig Bummeln finden wir dann später am Abend zurück ins Hotel wo die Horrornacht in einem unklimatisierten Zimmer, dessen Fenster zudem nur mäßig zu öffnen ist beginnt.

Als der Morgen dämmert, hält es mich daher auch nicht mehr im Bett. Nach einem miesen Frühstück bin ich der Erste, der auf dem Moped sitzt. Um ganz ehrlich zu sein, so schön die Innenstadt am gestrigen Abend war, bin ich froh als wir die Silhouette der Hauptstadt im Rückspiegel verschwinden sehen. Gegen Mittag und einem landschaftlich nicht ganz so reizvollen Teil finden wir uns bei fast 30 Grad im Schatten wieder und irgendwie freue ich mich auf höhere Lagen. Da dies meine drei Begleiter jedoch etwas anders sehen, gibt ab jetzt die Geschichte nur noch meinen Teil der Reise für diesen Tag wieder. Nach dem Mittagessen beschließen also Marc, Klaus und Sascha in Richtung Triest aufzubrechen, um dort im Meer zu planschen. Ich wähle indes die für mich bessere Alternative und fahr nach Norden. Über Idrija, Tomlin, dass wirklich traumhafte Socatal entlang des fließenden Wassers, folge ich einer flotten Gruppe Ducatis und lande zum Kaffee in Kobarid. Von hier ab geht es weiter über Bovec, im gemütlichen Swing hinauf auf die Spitze des Mangart. Als ob die Auffahrt auf der engen Straße nicht schon ein echtes Highlight ist, ist nach dem Abschalten des Boxers hier oben nichts mehr zu hören. Die Temperaturen sind auf angenehme 20 Grad gesunken und die Ruhe lässt mich nicht mehr so schnell los. Nach einigen Fotos beschließe ich etwas tiefer unterhalb der Spitze eine ausgedehnte Pause zu machen und etwas zu dösen. Erst ein wild hupender Holländer weckt mich aus meinen Träumen wieder auf. In aller Ruhe mache ich mich fertig und rolle die spitzen Kehren wieder hinunter.

Kurze Zeit später überschreite ich die Grenze zu Italien vorbei am mystischen Predilsee und lande in Travisio. Der Abend verspricht also italienisch zu werden, denn die Speisekarte des Hotels lässt nichts Anderes erwarten. Nach dem Essen nehmen wir dieses italienische Gefühl mit einem Espresso und einem Glas Rotwein mit auf die hauseigene Terrasse, wo wir den Abend beenden.

Tag fünf startet und schnell wird beim Blick aus den Fenstern klar, dass er nicht ganz so trocken verlaufen wird wie geplant. Bereits bei der erneuten Anfahrt zum Mangart, ja die Jungs wollten ihn auch noch einmal sehen und erleben, holt uns die trübe Suppe ein und es beginnt zu nieseln.

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Da sich der Berg zudem immer weiter zuzieht, ist der Aufenthalt heute nur kurz, bevor wir zurück in Richtung Italien weiterfahren. Zuerst der wenig interessanten SS13 folgend, wechseln wir in Pontebba rechts auf die grandiose SP23 und folgen dieser bis nach Ligosullo, weiter dann über Sappada, Sexten und Toblach und landen am frühen Abend in Sand in Taufers im Brugghof. Und um das Wasser nicht aus den Augen zu verlieren hatten wir natürlich auch ein, bis zwei ordentliche Regengüsse dazwischen. Die Sonne jedoch überwog am Ende auch an diesem Tag und tauchte die Landschaft in faszinierende Farben.


Die beiden letzten Tage der Reise sind dann noch für die Rückreise nach Nesselwang und nach Hause gedacht. Diese schön zu gestalten ist nicht schwer, denn hier sind wir nun inmitten der Dolomiten. Somit ist Pässegleiten angesagt und mit dem Jaufenpass und auch dem Timmelsjoch, haben wir zwei echte Könige dieser Disziplin vor uns. Hoch und runter geht es durch enge, weite und jedwede andere Art der Kurve und Spitzkehre. Im Hintergrund und doch zum Greifen nahe immer das Panorama der noch schneebedeckten Berge. Am Abend landen wir dementsprechend geschafft im Motorradhotel Seerose.  Dieser Abend jedenfalls endet wie könnte es auch anders sein noch einmal mit Wasser und mit einem Spaziergang um den Pidburger See.

Und ehe man es sich versieht, sind die schönen Tage des Urlaubes auch schon wieder vorbei und der Heimweg steht als letztes auf dem Tagesplan. Noch einmal geht es mit dem Hahntahnjoch hoch hinaus und über das Namlostal mit seinen in den Stein gehauenen Kurven zurück nach Nesselwang, wo unsere Motorradreise begann. Noch einmal bekommen wir etwas Regen, nachdem wir die Mopeds wieder auf den Trailern verschnürt haben, aber der Rückweg über die Bahn bleibt trocken.

FAZIT
Was bleibt ist wie immer ein Resümee der Fahrt und das kann, ob dem Gesehenen nur gut ausfallen. Denn sieht man einmal vom dicken Regen zu Beginn der Tour ab, ist Slowenien eine Reise wert und nicht nur eine Einzige. Gut die Hauptstadt bräuchte ich in der erlebten Form kein zweites Mal, aber die sonstigen Orte wie z.b. Bled, Bovec und Podkoren sind sehenswert und das alles zu einem fairen Preis, was Essen und Unterkünfte angeht. Nicht auslassen sollte man den Mangartpass, das Socatal und natürlich den Vrsicsattel, den ich leider erst bei einer späteren Reise kennenlernen durfte.

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So denn #LifeisaRide…….
Euer Torsten.

3 Kommentare

  1. schön dass es euch in „meinem“ Land gefallen hat, ja Slowenien ist schon eine Reise wert … obwohl wir Slowenen es auch nicht richtig ausnutzen … ich selber lebe in der Umgebung von Ljubljana … brauche mit meiner „Dicken“ ne Stunde bis zur Küste, oder ne Stunde bis zu den Alpen, oder ne Stunde in die Weingegend … schön oder? … noch ein kleiner Tipp … habe das Bild vom Hotel in Ljubljana gesehen … wirklich nur zum übernachten … gibt viele günstigere mit sehr viel mehr Komfort … schöne Grüße aus Slowenien … bis irgendwann auf der Straße

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