Praxistipp: Motorrad Starterbatterien ein kleiner Ratgeber (English Version Below)

Durch die gerade aufkommende Diskussion über neue EU Vorgaben zum Thema Batteriesäure stellt sich mir die Frage:

War früher alles besser, oder einfach nur anders?

Machen wir uns mal nichts vor, hätte es früher keine Motorräder mit Kickstarter gegeben, bei denen man nicht unbedingt eine Starterbatterie gebraucht hat, hätten die Zeiten mit den seligen Blei-Säure-Akkus wahrscheinlich noch dunkler ausgesehen.

Wartungsfreie Motorradbatterien

Gut 20 Jahre ist es her, dass die ersten MF Batterien am Markt erschienen sind. Welch Fortschritt für uns, denn „MF“ steht für „Maintenance-Free“, also „wartungsfrei“. Statt des nervigen Trichter-Gefummels, gab es ein exakt dosiertes Säurepack, das im Grunde nur noch aufgesetzt werden musste, um die Säure dann ganz von allein ins schwarze Batteriegehäuse zu entleeren. Hin und wieder entstand so aber auch ein „modernes Lochdesign“ in der Jeans, wenn die Säure daneben lief. Nach der Befüllung drückte man noch flink die Verschlussleiste auf die Öffnungen und der Akku war einsatzbereit. Das nervige Verschlussstopfen-Gefuddel war damit endlich Geschichte und die Bauart sorgte dafür, dass nie wieder Flüssigkeit nachgefüllt werden musste. Doch bedeutete wartungsfrei am Ende nicht, dass man sich um das gute Stück nicht mehr zu kümmern brauchte. Denn natürlich handelte es sich immer noch um einen Blei-Säure-Akku, der im Winter trotz der verschlossenen Bauweise gerne ein wenig Pflege, in Form einer Ladung Strom verlangte, um fit zu bleiben.

Wartungsfreie Batterien die nächste Stufe

Weitere Jahre vergingen und die Entwicklung blieb in dieser Zeit natürlich nicht stehen. Die Fortschritte, die folgten spielten sich allerdings größtenteils im Inneren ab und waren daher äußerlich nicht mehr zu sehen. Hatte man zuvor in hohen Mengen Antimon zur Stabilisierung der Bleiplatten verwendet, nutzte man nun Calcium für diesen Zweck in geringerer Menge. Weniger Gasentwicklung führte zu weniger Wasserverbrauch, die Selbstentladung des Akkus reduzierte sich. Parallel dazu setzte man Glasfaser- oder Vliesmatten in die Gehäuse ein, die einem Löschpapier gleich funktionierten und das Elektrolyt im Inneren binden konnten. Damit war die „AGM“ „Absorbed Glass Mat“ Batterie geboren. Ein Akku, der lageunabhängig verbaut werden konnte. Der nächste Entwicklungsstep folgte schnell, denn mit der Verwendung von Kieselsäure ließ man das Innenleben im Akku erstarren. Heraus kam die Gel-Batterie, die eine ungemein praktische Akku-Bauart darstellt und unter Anderem seit Beginn der 2000er Jahre bei BMW im Einsatz ist.

Doch gibt es auch gewisse Nachteile! Waren die alten Blei-Säure-Akkus unempfindlich was die Auswahl ihrer Ladequelle anging, setzten die Neuen eine moderne Ladetechnik voraus. Es empfiehlt sich also, das passende Ladegerät zum Akku anzuschaffen. Und mehr noch, es sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass die Batterie auch zum Motorrad passt. Denn viele alte Maschinen liefern genauso unsauberen Strom wie die alten Ladegeräte. Daher ist es auch keine so gute Idee, einen Gel-Akku in ein solch altes Schätzchen einzubauen, da er sich mit dem Lichtmaschinenregler unter Umständen nicht versteht. 

Eine Ausnahme hierbei gibt es allerdings noch, die Rein-Blei-Batterie. Auch sie nutzt die AGM-Technik, allerdings mit einer Elektrode aus einer Blei-Zinn-Legierung. Diese Technik wiederum sorgt dafür, dass weniger Innenwiderstand erzeugt wird und bei einer hohen Stromentnahme der Akku nicht so leicht in die Knie geht. Die vom amerikanischen Hersteller Hawker angebotenen Batterien haben daher einen höheren Startstrom als herkömmliche Akkus, sie sind kältestabiler und verfügen über eine geringere Selbstentladung. Hinzu kommt, dass die Hawker Akkus hohe Ladeströme besser vertragen als andere Modelle und sie auch in Sachen Tiefentladung kein Sensibelchen sind. Größter Nachteil des Ganzen ist aber noch der stramme Preis.

Lithium-Ionen-Akkus

Wer Gewicht sparen und zudem noch eine top Starterhilfe haben möchte, der kommt an der Lithium-Ionen-Batterien nicht vorbei. Diese haben einige gewaltige Vorteile gegenüber allen anderen Batteriekollegen. Sie sind sensationelle zwei Drittel leichter als ihre Konkurrenten. Sie können in jeder beliebigen Einbaulage im Motorrad eingebaut werden, da sie keine Säure enthalten. Sie lassen sich innerhalb kürzester Zeit wieder aufladen und vertragen dabei unterschiedlichste Ladeströme, bei einer geringen Selbstentladung. Zudem gelten die im Motorrad verbauten Lithium-Eisenphosphat-Akku (LiFePO4) anders als ihre Li-Ion-Schwestern als ausgesprochen Brandsicher. Glaubt man hierbei den Herstellern, so sollten sie zudem eine sehr lange Lebensdauer haben im Vergleich zum Rest haben. Einige Anbieter sprechen hier von bis zu 3.000 Aufaldezyklen.

Doch auch hier gibt es ein paar empfindliche Nachteile. Diese Akkus wollen mit den passenden Ladegeräten aufgeladen werden, denn obschon sie sich bei der Ladespannung mit Blei-Säure-Akkus vergleichen lassen, sind sie empfindlicher. Außerdem sind sie nicht gerade die Meister in Sachen Kälte. Fällt die Temperatur, fällt auch die Leistung der Batterie, was dazu führt, dass sie sich mit ihrer Arbeit schwertut. Die Zielgruppe Winterfahrer ist hier also Außen vor und greift besser auf konventionelle Mittel zurück. Nimmt man sich der wenigen Einschränkungen allerdings an, hat man mit dem LiFePO4 einen super Partner an Bord und spart zudem noch eine Menge Gewicht.

Fazit

Der Blei-Säure-Akku

Der immer noch größte Vorteil des herkömmlichen Blei-Säure-Akkus, ist sein vergleichsweise geringer Preis. Gute Batterien bekommt man bereits ab rund 30 Euro. Dafür steht allerdings ein regelmäßiges Pflegeprogramm auf dem Plan.

Der MF-Akku

Der MF-Akku ist im Preisvergleich derzeit die beste Alternative zum alten Blei-Säure-Typ. Die Säure Befüllung ist recht einfach und auch für Akku-Anfängern leicht zu bewältigen. Die Einstiegspreise liegen bei rund 42 Euro. Die Wartung und Pflege ist etwas geringer.

Der Gel-Akku

Er macht keinerlei Arbeit. Auspacken, anschließen und los gehts. Gel- Batterien sind bereits komplett verschlossen und lassen sich in verschiedensten Einbaulagen verbauen. Allerdings kosten sie auch immer noch rund das Dreifache herkömmlicher Batterien.

Der Rein-Blei-Akku

Die „Spitze der Nahrungskette“ sozusagen und grundsätzlich vergleichbar mit den Gel-Batterien. Sie zeichnet sich allerdings durch die besonders hohen Startströmen aus. Der klassische Problemlöser für Ganzjahres- und vor allem auch Winterfahrer – mit dem Nachteil der Anschaffungskosten. Zum Teil liegt der Preis bei 200Euro

Der Li-Ionen-Akku

Sein Vorteile ist das extrem leichte Gewicht und die kompakte Bauform. Zudem hat er eine geringe Selbstentladung. Temperaturen unter null Grad mag er dafür weniger, denn hier geht ihm schneller der Saft aus. Außerdem muss er wie auch der Gel-Akku zum Moped und dem Ladestrom passen.  Durch die Anbietervielfalt liegen die Preise mittlerweile bei unter 100 Euro.

Motorbike Starterbatteries a little guide

Everything was better in the old days, or just different? Let’s face it, if there hadn’t been motorbikes with kickstarters in the past, where you didn’t necessarily need a starter battery, the times with the blessed lead-acid batteries would probably have looked even darker.

Maintenance-free motorbike batteries
It’s been a good 20 years since the first MF batteries appeared on the market. What progress for us, because „MF“ stands for „Maintenance-Free“. Instead of the annoying funnel fumbling, there was a precisely dosed acid pack that basically only had to be put on to empty the acid into the black battery casing all by itself. Every now and then, however, this resulted in a „modern hole design“ in the jeans when the acid ran off. After filling, you quickly pressed the sealing strip onto the openings and the battery was ready for use. The annoying fiddling with plugs was finally a thing of the past and the design ensured that liquid never had to be refilled again. But in the end, maintenance-free did not mean that one no longer had to take care of the good piece. Of course, it was still a lead-acid battery that, despite its sealed design, required a little care in the form of a charge of electricity in winter to stay fit.

Maintenance-free batteries the next step
More years passed and development did not stop during this time, of course. However, most of the progress that followed took place on the inside and was therefore no longer visible on the outside. Whereas antimony had previously been used in large quantities to stabilise the lead plates, calcium was now used in smaller quantities for this purpose. Less gas development led to less water consumption, and the self-discharge of the battery was reduced. At the same time, glass fibre or fleece mats were inserted into the casing, which functioned like blotting paper and could bind the electrolyte inside. Thus the „AGM“ „Absorbed Glass Mat“ battery was born. A battery that could be installed in any position. The next step in development followed quickly, because the use of silicic acid allowed the interior of the battery to solidify. The result was the gel battery, which is an extremely practical type of battery and has been used by BMW, among others, since the beginning of the 2000s.

But there are also certain disadvantages! While the old lead-acid batteries were insensitive to the choice of charging source, the new ones require modern charging technology. It is therefore advisable to buy the right charger for the battery. And what’s more, it is essential to make sure that the battery also matches the motorbike. Because many old machines deliver just as unclean a current as the old chargers. Therefore, it is not a good idea to install a gel battery in such an old sweetheart, as it may not get along with the alternator regulator.
However, there is one exception to this rule, the pure lead battery. It also uses AGM technology, but with an electrode made of a lead-tin alloy. This technology, in turn, ensures that less internal resistance is generated and that the battery does not go down so easily when a high current is drawn. The batteries offered by the American manufacturer Hawker therefore have a higher starting current than conventional batteries, they are more cold-stable and have a lower self-discharge. In addition, Hawker batteries tolerate high charging currents better than other models and are not sensitive to deep discharge. The biggest disadvantage, however, is the high price.

Lithium-ion batteries
If you want to save weight and also have a top starter aid, you can’t get around lithium-ion batteries. These have some huge advantages over all other battery colleagues. They are a sensational two-thirds lighter than their competitors. They can be installed in any position in the motorbike because they contain no acid. They can be recharged within a very short time and can withstand a wide range of charging currents with a low self-discharge rate. In addition, the lithium iron phosphate (LiFePO4) batteries installed in motorbikes are considered extremely fire-safe, unlike their Li-Ion sisters. If you believe the manufacturers, they should also have a very long service life compared to the rest. Some suppliers speak of up to 3,000 recharging cycles.

But there are a few sensitive disadvantages here too. These batteries need to be charged with the right chargers, because although they can be compared with lead-acid batteries in terms of charging voltage, they are more sensitive. In addition, they are not exactly masters when it comes to cold. If the temperature drops, so does the battery’s performance, which makes it struggle to do its job. The target group of winter drivers is therefore left out in the cold and would be better off using conventional means. If you accept the few limitations, however, you have a great partner on board in LiFePO4 and also save a lot of weight.

Conclusion
The lead-acid battery
The biggest advantage of the conventional lead-acid battery is its comparatively low price. Good batteries start at around 30 euros. However, this requires a regular maintenance programme.

The MF battery
In a price comparison, the MF battery is currently the best alternative to the old lead-acid type. The acid filling is quite simple and easy to handle even for battery beginners. Entry-level prices are around 42 euros. Maintenance and care are somewhat lower.

The gel battery
It does not require any work. Unpack, connect and off you go. Gel batteries are already completely sealed and can be installed in a wide variety of positions. However, they still cost about three times as much as conventional batteries.

The pure lead battery
The „top of the food chain“, so to speak, and basically comparable with gel batteries. However, it is characterised by the particularly high starting currents. The classic problem solver for all-season and especially winter riders – with the disadvantage of acquisition costs. In some cases the price is around 200 euros.

The Li-Ion battery
Its advantages are its extremely light weight and compact design. It also has a low self-discharge rate. However, it does not like temperatures below zero, because it runs out of juice more quickly. In addition, like the gel battery, it has to fit the moped and the charging current. Due to the variety of suppliers, prices are now under 100 euros.

Beste Grüße euer Best Regards
Torsten Thimm

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