GPX Tourdaten: https://kurv.gr/JqJ6c
Calimoto : Limes-Tour
Alea iacta est, mag sich Kaiser Aurelian 274 n. Chr. gedacht haben, als er den endgültigen Abzug seiner Truppen aus Germanien beschloss. Die Einfälle germanischer Völker nahmen stetig zu und der einstige Schutzwall Limes bot längst keinen ausreichenden Schutz mehr. In den folgenden Jahrhunderten ging es mit dem römischen Weltreich bergab und nach und nach verschwanden die Legionen und die römische Hochkultur fast vollständig von der Bildfläche. Was blieb, waren Ruinen, der Wein und die Städte, die einst von den Römern gegründet worden waren. Ach ja, und zum Teil versteckt im Wald und unter der Erde die Reste der gefallenen Grenze, des Limes.

Der Limes
Wir sind an diesem Morgen noch nicht am Verlauf des Limes angekommen, aber selbst meine Heimatstadt Groß-Umstadt lag zur Römerzeit auf deren Gebiet. Da liegt es nahe, von hier aus zu starten und die ersten Kilometer entspannt über den Asphalt zu schwingen. Ja, die ersten sonnigen Tage des Jahres haben ihren ganz besonderen Reiz, auch wenn die Temperaturen manchmal noch frisch sind. Man spürt das Erwachen des Lebens und die positive Energie der Natur um sich herum. Wir passieren derweilen Wörth am Main und befinden uns mit einem Mal direkt neben dem ehemaligen Grenzverlauf. Bis Miltenberg ist es von hier aus nur noch ein Katzensprung, den wir mit einigen spontanen zusätzlichen Kurven geschickt unseren Bedürfnissen anpassen.





War der Limes bisher noch fließend und damit eher unsichtbar, so ändert sich dies spätestens in Miltenberg. Die Stadt an der Deutschen Limesstraße hat neben einigen Ausgrabungen auch einen Römerweg (M1) zu bieten, der rund um die Stadt führt und die eine oder andere Überraschung bereithält. Darüber hinaus lohnt es sich, die Stadt in Ruhe zu besichtigen, denn auch die späteren Epochen der Innenstadt haben einiges zu bieten. Naja und dann war das ja auch noch der Main als Anziehungspunkt praktisch direkt unterhalb der Stadt.
Im Land dazwischen
Um dem Massenverkehr zu entgehen, verlassen wir Miltenberg durch die Hintertür, biegen relativ schnell rechts ab und folgen dem Straßenverlauf der Mil10 bis nach Schneeberg und weiter an Walldüren vorbei bis nach Buchen. Historisch gesehen befinden wir uns hier zwischen dem jüngeren sehr gerade verlaufenden Limes und dem weiter westlich verlaufenden älteren Odenwaldlimes. Dazwischen finden sich in diesem Gebiet zahlreiche Ruinen römischer Villen, was darauf schließen lässt, dass sich Römer und Germanen nicht ständig feindlich gegenüberstanden. Vielmehr war der Handel für beide Seiten ein sehr erträgliches Geschäft und ließ das Land über viele Jahre hin erblühen.



Auf der Strecke blühen derweil auch die ersten Büsche und Sträucher am Straßenrand und in den Ortschaften steht die eine oder andere Magnolie in voller Pracht. Die Kurven und Strecken auf denen wir uns bewegen stammen teilweise noch aus römischer Zeit und unter der Woche hat man die Landschaft fast für sich allein. Natürlich nur, wenn man das will. Osterburken, bekannt für seine Tropfsteinhöhle und sein Römermuseum, ist jedenfalls die nächste Station unserer kleinen Tour, bevor wir über Jagsthausen ganz entspannt Bad Wimpfen erreichen. Hier haben wir den Scheitelpunkt erreicht und es geht wieder nordwärts entlang der bereits erwähnten Odenwaldlinie des Limes.
Die Odenwaldlinie
Zeitgeschichtlich wird dieser Abschnitt auf die Jahre 159-165 datiert und somit vor den Bau der später folgenden sehr geraden Limeslinie weiter östlich, die wir bisher im Fokus der Tour hatten. Der Startpunkt wird laut derzeitigem Stand der Forschungen auf Wörth oder Obernburg am Main gelegt, welche wir am Vormittag bereits passiert hatten. Der Endpunkt soll irgendwo im Gebiet der Arae Flaviae also bei Rottweil zu finden sein und sich am Flussverlauf des Neckars orientiert haben. Dabei macht sich der Grenzverlauf geschickt die topographischen Gegebenheiten des Odenwaldes zunutze, was für uns den Vorteil einer außergewöhnlich schönen Streckenführung hat.




Über Gundelsheim geht es deshalb auf dem nächsten Abschnitt der Tour erst einmal ein Stück am Neckar entlang, um etwas Luft zu holen. Denn spätestens bei Neckarelz ist es mit der Ruhe wieder vorbei und die engen Straßen und Kurven haben uns wieder. Vorbei am Katzenbuckel, der zugleich die höchste Erhebung des Odenwaldes ist, passieren wir zwischen Gaimühle und Friedrichsdorf mehrere schöne Viadukte, die neben dem Limes echte Highlights der Region sind und stoßen an der Kreuzung am Heidenberg erneut auf die römischen Hinterlassenschaften im Odenwald. Ob Grenzwall oder Kleinkastell, auf diesem Höhenweg hat das Imperium einiges aufgeboten und wir runden es an diesem Nachmittag mit einem perfekten Blick über die Baumwipfel des Odenwaldes ab. Wer von hier aus weitertouren möchte, hat übrigens drei Möglichkeiten. Variante eins führt nach Schloßau und über Mörchenhardt auf schmalen Pfaden nach Amorbach. Variante zwei über Ernsttal nach Amorbach oder nach Würzberg und unsere Variante über den römischen Höhenweg von Hesselbach nach Würzberg und zum rekonstruierten Wachturm bei Vielbrunn.

Dazwischen liegen Kurven, weite Ausblicke und, wenn man will, der direkte Kontakt mit Teilen des historischen Limes. Ein echter Turmrest steht schon wenige Kilometer hinter Hesselbach im Wald, ebenso die freigelegten Mauern des Römerbades vor Würzberg. Dahinter folgt der Eulbacher Park mit seinen Ausgrabungen und Wildgehegen, bevor wir zum rekonstruierten Römerturm bei Vielbrunn gelangen. So oder so ähnlich könnte er tatsächlich ausgesehen haben. Die Tafeln rund um den Turm erzählen jedenfalls einiges darüber und der Blick von oben ist auf jeden Fall einen Aufstieg wert.

Zurück über die sanften Hügel
Nach Vielbrunn wird die Landschaft sanfter, aber nicht weniger spannend. Die Kurven werden länger und hinter Bad König steht das letzte römische Highlight des Tages auf dem Programm: die ehemalige Villa Haselburg. Zwischen 130 und 135 n. Chr. erbaut, liegt sie im römischen Gebiet hinter den beiden Limeswällen auf dem Hochplateau bei Hummetroth. Die Aussicht von dort ist ebenfalls fantastisch und bei schönem Wetter lädt das Gelände zum Picknick ein. Natürlich sollte man sich auch die Ausgrabungen anschauen und staunen, denn Fußbodenheizung und Toiletten mit fließendem Wasser gab es hier in der Region erst viele Jahrhunderte später nach den Römern wieder.




Fazit
Die deutschen Mittelgebirge haben viel zu bieten. Neben Burgen, Schlössern und historischen Städten steht die Natur und natürlich für uns das Motorradfahren im Mittelpunkt. Wer die Augen offen hält, kann auf den kleinen Straßen viel entdecken und viele schöne Eindrücke sammeln. Dazu kommt, dass auch das Kulinarische nicht zu kurz kommt und praktisch für jeden Geschmack etwas dabei ist.
Unsere Tour endet, wie könnte es anders sein, natürlich wieder in Groß-Umstadt, wo der Sonnenuntergang von den Weinbergen aus eine ganz wunderbare Kulisse bietet. Hier hat sicher schon der eine oder andere Römer vor vielen Jahrhunderten mit einem Glas Wein in der Hand gesessen und die Aussicht genossen. Das jedenfalls kommt mir dabei in den Kopf und der Gedanke gefällt mir.
In diesem Sinne omnes optimi et Iupiter vobiscum
Schöne Grüße Torsten Thimm
Odenwaldlove Fallen Frontier
GPX Tourdates: https://kurv.gr/JqJ6c
Calimoto: Limes Tour
Alea iacta est, Emperor Aurelian may have thought in 274 AD when he decided to withdraw his troops from Germania for good. The incursions of Germanic peoples were steadily increasing and the former Limes defence wall no longer offered sufficient protection. In the centuries that followed, the Roman Empire went into decline and gradually the legions and Roman civilisation disappeared almost completely from the scene. What remained were ruins, wine and the cities that had once been founded by the Romans. Oh yes, and partly hidden in the forest and underground the remains of the fallen border, the Limes.
The Limes
We have not yet reached the course of the Limes this morning, but even my home town of Groß-Umstadt was on its territory in Roman times. So it makes sense to start from here and enjoy a relaxed ride over the tarmac for the first few kilometres. Yes, the first sunny days of the year have their own special charm, even if the temperatures are sometimes still fresh. You can feel the awakening of life and the positive energy of nature around you. Meanwhile, we pass Wörth am Main and suddenly find ourselves right next to the former border. From here, it is only a stone’s throw to Miltenberg, which we skilfully adapt to our needs with a few spontaneous additional bends.
While the Limes was still fluid and therefore rather invisible, this changes in Miltenberg at the latest. The town on the German Limes Route has a number of excavations to offer as well as a Roman trail (M1), which leads around the town and has one or two surprises in store. It is also worth visiting the town at your leisure, as the later eras of the town centre also have a lot to offer. And then there’s the River Main as a centre of attraction practically directly below the city.
In the country in between
To avoid the mass traffic, we leave Miltenberg through the back door, turn right relatively quickly and follow the Mil10 road to Schneeberg and on past Walldüren to Buchen. Historically speaking, we find ourselves here between the younger, very straight Limes and the older Odenwald Limes further to the west. In between, there are numerous ruins of Roman villas in this area, which suggests that the Romans and Germanic tribes were not always hostile to each other. On the contrary, trade was a very profitable business for both sides and allowed the country to flourish for many years.
Meanwhile, the first bushes and shrubs are blooming along the roadside and the odd magnolia is in full splendour in the villages. Some of the bends and stretches on which we are travelling date back to Roman times and during the week you have the landscape almost to yourself. Only if you want to, of course. Osterburken, famous for its stalactite cave and Roman museum, is the next stop on our little tour before we reach Bad Wimpfen via Jagsthausen. Here we have reached the apex of the route and we head northwards again along the aforementioned Odenwald Line of the Limes.
The Odenwald Line
This section is dated to the years 159-165 and therefore predates the construction of the later, very straight Limes line further east, which has been the focus of our tour so far. According to the current state of research, the starting point will be in Wörth or Obernburg am Main, which we had already passed in the morning. The end point should be somewhere in the area of the Arae Flaviae, i.e. near Rottweil, and should have been orientated along the course of the Neckar. The course of the border skilfully exploits the topographical features of the Odenwald, which has the advantage for us of an exceptionally beautiful route.
Via Gundelsheim, the next section of the tour takes us along the Neckar for a while to catch our breath. By Neckarelz at the latest, the peace and quiet is over again and the narrow roads and bends are back. Passing the Katzenbuckel, which is also the highest point in the Odenwald, we pass several beautiful viaducts between Gaimühle and Friedrichsdorf, which are real highlights of the region alongside the Limes, and come across the Roman remains in the Odenwald again at the junction at Heidenberg. Whether border wall or small fort, the Empire had a lot to offer on this high-level trail and we round it off this afternoon with a perfect view over the treetops of the Odenwald. If you want to continue from here, you have three options. Option one leads to Schloßau and via Mörchenhardt on narrow paths to Amorbach. Option two via Ernsttal to Amorbach or to Würzberg and our option via the Roman high trail from Hesselbach to Würzberg and to the reconstructed watchtower near Vielbrunn.
In between are bends, wide views and, if you want, direct contact with parts of the historic Limes. The remains of a real tower can be seen in the forest just a few kilometres after Hesselbach, as can the exposed walls of the Roman baths before Würzberg. This is followed by the Eulbacher Park with its excavations and game enclosures, before we reach the reconstructed Roman tower near Vielbrunn. It might actually have looked something like this. The plaques around the tower tell us a lot about it and the view from the top is definitely worth the climb.
Back over the rolling hills
After Vielbrunn, the landscape becomes gentler, but no less exciting. The bends become longer and after Bad König the last Roman highlight of the day is on the programme: the former Villa Haselburg. Built between 130 and 135 AD, it is located in the Roman area behind the two Limes ramparts on the high plateau near Hummetroth. The view from there is also fantastic and, when the weather is fine, the grounds are ideal for a picnic. Of course, you should also take a look at the excavations and be amazed, as underfloor heating and toilets with running water were only found in the region many centuries after the Romans.
Conclusion
The German low mountain ranges have a lot to offer. In addition to castles, palaces and historic towns, the focus is on nature and, of course, motorcycling. If you keep your eyes open, you can discover a lot on the small roads and collect many beautiful impressions. What’s more, the culinary delights are not neglected and there is something for practically every taste.
Our tour ends, how could it be otherwise, in Groß-Umstadt, where the sunset from the vineyards provides a wonderful backdrop. This is where some Romans must have sat many centuries ago with a glass of wine in their hands and enjoyed the view. At least that’s what comes to mind and I like the idea.

In this sense omnes optimi et Iupiter vobiscum
Best regards Torsten Thimm
