Wo die Sackgassen zum Ziel werden

Valle di Daone Tour

Valle Formazza Tour

Volle de Nivolet Tour

Wir alle kennen sie, die Täler, die sich abseits der großen Alpenstraßen ins Gebirge ziehen und auf der Karte irgendwann einfach enden. Stichtäler wie das Valle Formazza, das Valle Daone oder der Colle del Nivolet.

Für manch einen von uns bedeutet das, boah Sackgasse „Nerv“, reinfahren, umdrehen und das gleiche wieder zurück, also lieber weiter zur nächsten großen Passstraße. Für uns bedeutet es inzwischen eher das Gegenteil. Denn genau dort, wo die Straße vermeintlich nicht mehr weiterführt, haben wir gelernt, beginnt oft das eigentliche Abenteuer.

Das Valle Formazza ist dafür geradezu ein perfektes Beispiel. Je weiter man in das langgezogene Tal hineinfährt, desto mehr verschwindet der Alltag. Die Straße wird kleiner, die Berge werden größer, höher und irgendwann bestimmt nur noch die Natur den Rhythmus. Der Toce-Wasserfall donnert bestenfalls in seiner vollen Breite ins Tal. Und danach? Stille und die Weite des Plateaus bis hin zur gewaltige Staumauer am Ende. Faszinierend, weil man auch erst einmal gar nicht damit rechnet. Faszinierend auch die Ruhe die es einem am Ende dieser Welt bringt.

Doch auch das Valle di Daone hat seinen ganz eigenen Charakter. Es ist rauer, ursprünglicher und fühlt sich irgendwie vergessen. Eine schmale Straße zieht sich durch die Wälder, immer wieder tauchen gewaltige Felswände und mit der Hand gehauene Tunnel auf. Hier zeigt die Natur von Beginn an ihr gesamtes Repertoire an Schönheit. Kurve für Kurve bekommt man dieses Gefühl, immer tiefer in eine Landschaft hineinzufahren, die sich ihren eigenen Takt bewahrt hat. Und am Ende ja da gibt es erneut eine Staumauer. 😉

Und dann ist da auch noch der Colle del Nivolet. Eine Passstraße, die unvollendet nirgendwohin führt und gerade deshalb zu den ganz besonderen Erlebnissen gehört. Je höher man hier kommt, desto karger wird die Landschaft, bis sich plötzlich diese unglaubliche alpine Kulisse öffnet. Seen, Fels, Gipfel und die eine Straße, die sich wie ein dünnes Band durch die gewaltige Landschaft schneidet. Für uns blieb er bisher Unvollendet, dann wir endeten 7 km vor dem eigentlichen Ende an der großen Staumauer. „Wintersperre“

Doch macht der Nivolet vielleicht auch am besten klar, dass eine Sackgasse nicht zwangsläufig ein Ende sein muss.

Ja unter Umständen liegt genau darin die Faszination dieser Stichtäler. Sie wollen nicht einfach nur lässig durchfahren werden. Sie verlangen Aufmerksamkeit, dass man sich für sie Zeit nimmt. Dass man anhält, den Helm absetzt und für einen Moment einfach nur zuhört. Dem Wasser, dem Wind, der Natur oder aber auch einfach dem eigenen Motorrad, dessen Motor nach der letzten Kurve noch leise vor sich hin tickt. Man riecht den Wald, spürt die kalte Bergluft und sieht plötzlich Dinge, für die man auf einer viel befahrenen Passstraße gar keinen Blick gehabt hätte.

Die Natur fährt hier regelrecht Karussell mit allen Sinnen. Ignoriert deshalb viel öfter den kleinen Hinweis auf der Karte: „Hier geht es nicht weiter.“ Denn manchmal geht es genau dort am weitesten wo man es nicht erwartet. Nicht auf dem Kilometerzähler, sondern im Kopf.

In diesem Sinne #lifeisaride

Where Dead Ends Become the Destination

We all know them: those valleys that leave the big Alpine roads behind, disappear deeper into the mountains and eventually simply stop on the map. Dead-end valleys like the Valle Formazza, the Valle di Daone or the Colle del Nivolet.

For some riders, that means: “Oh great, a dead end. What a pain.” Ride in, turn around, ride back the same way and move on to the next proper mountain pass. For us, these days, it’s almost the opposite. Because we’ve learned that exactly where the road supposedly stops, the real adventure often begins.

The Valle Formazza is a perfect example. The further you ride into this long, narrow valley, the more everyday life disappears. The road gets smaller, the mountains get bigger and higher, and eventually nature is the only thing setting the pace. Ideally, the Toce waterfall is thundering down into the valley in all its glory. And after that? Silence. And the vastness of the plateau stretching towards the enormous dam at the very end.

It’s fascinating because you simply don’t expect it. And even more fascinating is the sense of peace you find there, right at what feels like the end of the world.

The Valle di Daone has a character of its own, too. Rougher, more untouched and somehow forgotten. A narrow road winds through the forests, with huge rock faces and hand-carved tunnels appearing again and again. From the very beginning, nature seems determined to show you its entire repertoire of beauty. Corner after corner, you get the feeling that you’re travelling deeper and deeper into a landscape that has stubbornly kept its own rhythm.

And yes, at the end there’s another dam. 😉

Then there’s the Colle del Nivolet. A mountain road that was never completed, leading absolutely nowhere — and precisely because of that, it has become one of those very special experiences.

The higher you climb, the more barren the landscape becomes, until suddenly an incredible Alpine panorama opens up in front of you. Lakes, rocks, peaks and that one road cutting through the immense landscape like a thin ribbon.

For us, the Nivolet remains unfinished. We ended our ride seven kilometres before the actual end, right at the huge dam.

“Winter closure.”

Typical.

But perhaps the Nivolet makes one thing clearer than anywhere else: a dead end doesn’t necessarily have to mean the end.

And maybe that is exactly what makes these valleys so fascinating. They don’t want you to simply cruise through them. They demand your attention. They want you to take your time. To stop, take off your helmet and, for a moment, simply listen.

To the water. The wind. Nature. Or maybe just your own motorcycle, its engine quietly ticking away after the last corner.

You smell the forest. Feel the cold mountain air. And suddenly you notice things you would never have seen on a busy Alpine pass.

Up here, nature puts on a full sensory carousel.

So perhaps we should ignore that little message on the map a little more often:

“Road ends here.”

Because sometimes, that’s exactly where the journey goes furthest.

Not on the odometer.

But in your head.

#lifeisaride

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