Die meisten Motorradtouren, plant man wochenlang im Voraus. Man studiert ggf. Karten, sucht Kurven, vergleicht Hotels und redet sich ein, dass man damit das perfekte Erlebnis in der Hand hält.

Zu Hause im bekannten Revier ist es einfacher, man setzt einfach den Helm auf, startet den Motor und fährt los.
So ein Tag soll es werden.
Der Morgen in Groß-Umstadt ist noch frisch, als wir die Kawasaki‘s aus der Garage schieben. Ein kurzer Blick auf die Reifen, ein Griff zum Zündschlüssel und schon erwacht der Zweizylinder zum Leben. Ein vertrautes Geräusch, das für andere vielleicht nur nach Motorrad klingt, ist für Carmen und mich aber ein Soundtrack zur Freiheit. Zwei Motorräder also, zwei Helme und ein Ziel, das auf der Karte gar nicht so spektakulär aussieht. Die Burg Guttenberg bei Neckarmühlbach.



Wir verlassen Groß-Umstadt und damit die breiten Straßen die hinter uns im Rückspiegel verschwinden. Über Dorndiel geht es hinauf in den Odenwald. Der Asphalt zieht dabei in sanften Bögen durch die Landschaft, vorbei an Wiesen, Waldstücken und den ersten Sonnenstrahlen, die sich ihren Weg durch die Bäume bahnen. Wunderschön ich sag’s euch.
Vor Höchst im Odenwald machen wir den ersten kleinen Schlenker, bevor wir uns über die römische Höhenstraße und die kurvigen Nebenstraßen in Richtung Amorbach bewegen. Wir folgen den alten Römerwegen gen Neckar.

Das Schöne an solchen Touren ist übrigens auch, dass man recht schnell aufhört, auf die Uhr zu schauen. Man fährt, genießt und nimmt an eindrücken mit was man kriegen kann.
Ein paar enge Kehren, eine lange, übersichtliche Kurve und dazwischen immer wieder kleine Geraden, im Ohrenbachtal auf denen man den Blick schweifen lassen kann. Der Odenwald zeigte sich von seiner besten Seite. In Amorbach gönnen wir uns einen Kaffee. Nein nicht, weil wir müde sind, sondern weil ein Motorradfahrer, der an einem schönen Ort vorbeifährt, ohne anzuhalten, vermutlich irgendwann vom eigenen Navi wegen Herzlosigkeit gesperrt wird. Ihr kennt das ja 🙂




Danach geht es weiter in Richtung Mudau. Die Straßen werden wieder schmaler, die Kurven abwechslungsreicher und anspruchsvoller. Über Buchen nähern wir uns schließlich dem Neckar. Die Landschaft verändert sich. Aus den bewaldeten Höhen wird eine offene, weitläufige Gegend. Und dann liegt er plötzlich vor uns, der Neckar, ruhig und glänzend im Sonnenlicht. Die letzten Kilometer nach Neckarmühlbach sind fast zu schnell vorbei. Ein paar Ortsdurchfahrten, ein kurzer Anstieg, ein Blitzer und schließlich tauchen die Mauern der Burg Guttenberg vor uns auf.



Die Motorräder sind schnell abgestellt, die Helme verstaut, die Kleidung getauscht und schon sind wir bereit. Mit offenem Mund betreten wir die Burganlage und werden irgendwie automatisch langsamer. Die alten Mauern, das Kopfsteinpflaster, der Geruch von Geschichte. Hier haben Menschen gelebt, geliebt, gestritten und gehofft, lange bevor jemand überhaupt daran dachte, einen Verbrennungsmotor zu erfinden. Die Burg Guttenberg gehört zu den ältesten und schönsten Burgen Deutschlands und ist seit Jahrhunderten bewohnt. Heute beherbergt sie unter anderem die Deutsche Greifenvogelwarte und damit unser eigentlich Ziel des Tages.

Wir schlenderten durch die Anlage, lassen die Blicke über das Neckartal schweifen, schauen uns die Greifvögel an und freuen uns auf das, was vor uns liegt.
Wir wissen, dass wir Greifvögel sehen, denn das war Carmens Geburtstagsgeschenk an mich plus einer Falknerstunde. Was wir nicht ganz so wussten, war, die Tatsache wie sehr uns dieser Besuch berühren sollte.
Wenn der Himmel seine Flügel öffnet
Wir nehmen Platz. Die Sonne steht höher, und über den alten Burgmauern liegt ein warmes Licht.
Dann beginnt die Flugvorführung. Kleines Eulchen Merlin zuerst, es folgt eine super cleverer Karakara und ein Seealdler. Ja unser deutsches Wappentier kann was das sage ich euch und einige Politiker würden sich davon besser mal eine Scheibe abschneiden. Es folgen Geier und zu guter letzt ein internsiver Moment mit dem Adler für mich.





Im Anschluss steigt die Stunde mit dem Falkner und den beiden Wüstenbussarden, die mir zeigen wie viel Power man wirklich haben kann. Jedes Führungskräfteseminar ist dagegen Kinderarm und der eine oder andere sollte eher mal so etwas in sein Lebensseminar mit einbauen, um zurücklaufen den Boden zu kommen.





Ich denke in diesem Moment nur eins. Was für ein Geschenk von meiner Frau, so etwas erleben zu dürfen der helle Wahnsinn. Purer geht es kaum.
Irgendwann ist es allerdings Zeit, Abschied zu nehmen. Wir gehen noch einmal durch den Burghof, warfen einen letzten Blick über den Neckar und machen uns auf den Weg zu den Motorrädern.





Die Helme sitzen bereits wieder auf dem Kopf. Die Motoren laufen und doch ist die Rückfahrt anders als die Hinfahrt.
Die Strecke führt uns dieses Mal entlang des Nekars Richtung Hirschhorn. Von dort über Rothenberg und über die kurvigen Straßen zurück in Richtung Groß-Umstadt. Die Nachmittagssonne liegt golden auf den Feldern, und die Schatten der Bäume ziehen dabei über den Asphalt.

In einer Kurve muss ich auf einmal aus tiefster Seele unwillkürlich lächeln. Ein Adler über alten Burgmauern, nein es ist ein Rotmilan der leise über mir seine Kreise dreht. Und damit kommt dieses wunderbare Gefühl wieder, für ein paar Stunden ganz weit weg gewesen zu sein, obwohl das Ziel gar nicht so weit von zu Hause entfernt lag.




The Day the Sky Came Closer
Most motorcycle tours are planned weeks in advance. You study maps, search for winding roads, compare hotels, and convince yourself that you have the perfect experience within reach.
At home, in familiar territory, things are easier. You simply put on your helmet, start the engine, and ride.
That is what this day is going to be.
The morning in Groß-Umstadt is still fresh as we roll the Kawasakis out of the garage. A quick look at the tires, a turn of the ignition key, and the parallel twins come to life. To some, it might just sound like a motorcycle. To Carmen and me, it is the soundtrack to freedom. Two motorcycles, two helmets, and a destination that does not look particularly spectacular on the map. Guttenberg Castle near Neckarmühlbach.
We leave Groß-Umstadt behind, along with the wider roads that disappear in the rearview mirrors. Via Dorndiel, we climb into the Odenwald. The asphalt winds in gentle curves through the landscape, past meadows, patches of forest, and the first rays of sunshine making their way through the trees. Absolutely beautiful, I can tell you.
Before Höchst im Odenwald, we take our first little detour, then follow the Roman high road and winding back roads toward Amorbach. We trace the ancient Roman routes toward the Neckar.
One of the beautiful things about rides like this is that you quickly stop looking at the clock. You ride, you enjoy, and you take in every impression you can.
A few tight hairpins, a long, sweeping curve, and little straights in between where you can let your eyes wander across the Ohrenbach Valley. The Odenwald is showing us its very best side. In Amorbach, we treat ourselves to a coffee. Not because we are tired, but because a motorcyclist who passes a beautiful place without stopping will probably eventually be banned by his own sat-nav for lack of soul. You know how it is. 🙂
After that, we continue toward Mudau. The roads become narrower again, the curves more varied and demanding. Via Buchen, we eventually approach the Neckar. The landscape changes. The wooded hills give way to an open, expansive countryside. And then, suddenly, the Neckar appears before us, calm and glistening in the sunlight. The final miles to Neckarmühlbach pass almost too quickly. A few villages, a short climb, a speed camera, and finally the walls of Guttenberg Castle rise before us.
The motorcycles are parked in no time, the helmets stowed away, the riding gear exchanged, and we are ready. We enter the castle grounds with our mouths slightly open, somehow slowing down automatically. The ancient walls, the cobblestones, the scent of history. People lived, loved, argued, and hoped here long before anyone had even thought of inventing an internal combustion engine.
Guttenberg Castle is one of the oldest and most beautiful castles in Germany and has been continuously inhabited for centuries. Today, it is also home to the German Eagle Observatory, which is the real destination of our day.
We stroll through the grounds, gaze across the Neckar Valley, admire the birds of prey, and look forward to what lies ahead.
We know we are going to see birds of prey. That was Carmen’s birthday present to me, along with a private falconry session. What we did not quite anticipate was just how deeply this visit would touch us.
When the Sky Opens Its Wings
We take our seats. The sun is higher now, and warm light rests upon the ancient castle walls.
Then the flight demonstration begins. Little Merlin the owl comes first, followed by a wonderfully clever caracara and a sea eagle. Yes, our German national emblem has some serious skills, I can tell you. Some politicians could certainly learn a thing or two from it. Vultures follow, and finally, an intense and unforgettable moment with the eagle awaits me.
Afterwards comes the private falconry session with the two Harris’s hawks, showing me just how much power you can truly have. Compared to this, every leadership seminar seems like child’s play. Some people would do well to include an experience like this in their personal life seminar, just to come back down to earth.
In that moment, I can think of only one thing. What an incredible gift from my wife, allowing me to experience something like this. Absolutely mind-blowing. It hardly gets any purer than this.
Eventually, though, it is time to say goodbye. We walk through the castle courtyard one more time, take a final look across the Neckar, and make our way back to the motorcycles.
The helmets are already back on our heads. The engines are running, and yet the ride home feels different from the journey there.
This time, the route takes us along the Neckar toward Hirschhorn. From there, via Rothenberg and the winding roads, we head back toward Groß-Umstadt. The afternoon sun casts a golden glow over the fields, while the shadows of the trees sweep across the asphalt.
In a bend, I suddenly find myself smiling involuntarily, from the very depths of my soul. An eagle above ancient castle walls? No, it is a red kite, quietly circling overhead.
And with that, the wonderful feeling returns. The feeling of having been somewhere far, far away for a few hours, even though our destination was never all that far from home.
#lifeisaride
