Im Zeichen des Drachen Kawasaki Z900RS

Vorwort
Heute lässt sich aus einem guten Triebwerk als Basis oft mehr machen als nur ein einziges Motorrad. So auch aus dem fulminanten von der Z1000 abgeleiteten Motor der 2017 erschienen Kawasaki Z900. Von Kawasaki wirklich clever gemacht, verpflanzte man Den kurzerhand in ein klassisch designtes Bike namens Z900 RS und trifft damit nicht ganz zufällig den aktuellen Zeitgeist. Geliefert wird die Retro Z als reines Nacked Bike oder als Cafe Racer Edition mit Halbschale für den Liebhaber von human angebrachten Stummeln.


Die Z900 RS
Einfach toll reflektiert ihr frisch poliertes, rotbraunes Lackkleid das Licht der Morgensonne. Die Designelemente aus gebürstet wirkendem Metall betonen ihre fließenden Formen und versetzen den geneigten Betrachter zurück in die wilden 70er, aus denen sie geradezu herrübergebeamt worden zu sein scheint. Das HABENWILL Gefühl kommt ganz automatisch in einem hoch und die Erinnerungen an Mad-Max und seinen motorradfahrenden Kollegen Jim Goose, der die alte Z im Film fuhr ist sofort präsent. Doch befinden wir uns im hier und jetzt und die Kawasaki Z900 RS ist brandneu auf dem Markt. Viele ihrer Bauteile, wie Seitendeckel und Lampengehäuse sind aus Kunststoff gearbeitet und lackiert, was zuerst etwas irritiert, aber natürlich Gewicht einspart gegenüber Metallausführungen. Und trotzdem bringt Kawasaki mit ihr ein Modell, das den alten Namen mit Stolz trägt, auch wenn mittlerweile Kühlwasser den Vierzylinder umfließt und eine Einspritzung mit Abgasreglung den Sound ins Freie befördert. Die heutigen Zeiten lassen halt in vielerlei Hinsicht nicht mehr so viel Luft wie früher. Ergänzt wird das alles durch den heutigen Rest an Elektronik, wie ABS und Traktionskontrolle, die sie natürlich ebenfalls mit an Bord hat.
Geprägt durch den markanten einzelnen LED-Rundscheinwerfer, die massive USD-Gabel und die zwei klassischen in ihren Kunststofftöpfen versenkten Rundinstrumente, präsentiert sich das Frontend der RS. Letztere sind zwar durch eine LCD-Anzeige in der Mitte getrennt, vollenden aber dennoch optisch den gewünschten Vintagelook. Über den angenehm gekröpften Lenker wandern Blick und Hände automatisch am tropfenförmigen 17 Liter fassenden Tank entlang, der sich nach hinten verjüngt und zusammen mit dem Sitz in diesem typischen Z-Heck endet. Harmonie der Formen? Durchaus, wenn da nicht nur der eine Endtopf wäre. Ja ich weiß, dass es Jammern auf einem hohen Niveau ist, denn die Auspuffanlage klingt sehr gut und ist aus einer Edelstahl und Chrom Kombination fein zusammengebaut. Ein zweites Endrohr auf der linken Seite hätte der Optik aber einfach die Krone aufgesetzten und noch mehr geschmeichelt. Dass ich mit dieser Meinung nicht ganz alleine dastehe, zeigt mittlerweile der Zubehörhandel, der sogar schon eine 4 in 4 Anlage im alten 70er Look anbietet. Sieht man in der Serie aber einmal davon und vom Pippitöpfchen an der vorderen Bremsanlage ab, ist das Gesamtkonzept Kawasaki Z900 RS rundum stimmig. Wer auf ihrem 805 mm hohen Sitz erst einmal Platz nimmt, will so schnell nicht mehr runter und ein mögliches Fahrziel wird nur durch den Spritvorrat im Tank begrenzt. Der entspannte Kniewinkel lässt zudem lange Etappen ohne Probleme zu, auch wenn die Spreizung der Beine durch das Tankdesign etwas mehr ist, als bei modern gestylten Bikes. Und dann hat Kawasaki da auch noch diesen Motor im Rahmen verbaut. Ein echter Charaktertyp parexellence, mit 111 PS Leistung und einem Drehmoment von beinahe 100 Nm. Er ist vielseitig, liebt die höheren Drehzahlen genauso wie das seichte dahinschlendern im sechsten Gang auf den Landstraßen. Gemeinsam mit dem knackig zu schaltenden Getriebe und der leichtgängigen, mit serienmäßig einstellbarem Kupplungshebel zu bedienenden Kupplung wird es so dem Fahrer leicht gemacht auch einfach einmal zu genießen, zumal die Pferdchen ruckzuck versammelt sind, wenn man sie tatsächlich einmal braucht.


On the Road
Irgendwo schnell ankommen wird mit der Kawa also irgendwie zur Nebensache, denn sie reist dich ganz einfach mit in ihren Bann und du möchtest nur eins, fahren. Bei einem Verbrauch von rund 5,5 Litern auf hundert Kilometern, ist das mit 300 km Reichweite auch gar kein Problem. Zwischendurch springen einem dabei immer wieder die beiden Nadeln in den analogen Uhren ins Auge und für einen Analogliebhaber wie mich, ist es die reinste Freude ihnen zuzusehen wie sie sich gegenseitig beim Beschleunigen jagen. Das kleine schwarz/weiße LCD – Display in ihrer Mitte gibt zudem weitere Informationen, wie Tankfüllung, Wassertemperatur und Ganganzeige an den Fahrer weiter. Etwas weiter unten arbeitet das Fahrwerk außerordentlich geschmeidig, stabil und sehr neutral. Dies ist unter anderem auf die oben bereits erwähnte und voll einstellbare Upsidedowngabel zurückzuführen. Die funktioniert superbe und filtert grobes einfach heraus, egal welchen Straßenbelag man ihr präsentiert. Ein wenig anders gestaltet sich das Ganze hinten, denn das Federbein ist im Vergleich etwas weniger feinfühlig. In der Summe des Ganzen jedoch passt die Kombination als sehr guter Kompromiss. Und wie das mit guten Kompromissen oftmals so ist, führen sie hin und wieder dazu, dass man sie auch einmal ausreizen möchte, wenn die Umstände stimmen! Dabei kann es vorkommen, dass das Vorderrad beim druckvollen aufziehen auch schnell mal ein wenig leichter wird und die Fußrastennippel in flott gefahrenen Kurven die Funken fliegen lassen. 230 km/h gibt Kawasaki für die Nackte als Höchstgeschwindigkeit an und das unter uns gesagt schafft sie auch. Flach liegend auf dem Tank am besten, denn aufrecht werden selbst dicke Arme dabei schnell recht lang.


Aber mal ganz ehrlich, wer will mit diesem Bike schon Höchstgeschwindikeitsorgien feiern? Sportliches und vor allem klassisches Cruising ist viel mehr ihr Part. Dafür wurde sie gebaut, auch wenn sie sich mit etwas mehr Druck am Lenker in engen Kurven bewegen lässt, als z.B. ihre moderne Schwester die Z900. Dieses Charakterzehntel was sie unter Umständen an, nennen wir es doch einfach mal Kurvengier verliert, verdankt sie der klassischeren Sitzposition, ihren fünf Kilo mehr Hüftspeck und den zwanzig Millimetern mehr Radstand. Doch folgt am Ende Kawasaki damit seinem Vintagekonzept, was auch die etwas weniger bissige Auslegung der radial verschraubten Bremszangen erklärt. Nach Zephyr und W, die Beide auf ihre Art großartige Motorräder waren, kann man sagen, dass Kawasaki nun mit der Z900 RS das Retrobike im Köcher hat, dass an die eigene Geschichte anschließen kann und wird.

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Fazit
Ich finde Kawasaki hat, es aus meiner Sicht geschafft eine Brücke zwischen der eigenen Vergangenheit und dem jetzt zu schlagen. Mit der Z900 RS hat der Hersteller ein vortreffliches Motorrad auf die teilgebüsteten Felgen gestellt. Die RS ist nicht nur optisch sehr gelungen, nein sie hat auch die Gene und vor allem den Charakter, den ein solches Retrobike haben sollte, um selber irgendwann, wie ihre berühmte Vorfahrin aus den 70ern zur Legende zu werden.

Bilder Thierry Dricot, Kawasaki und ich Torsten Thimm

Beste Grüße

Torsten Thimm

#Lifeisaride

Plus
• Fulminanter Motor
• Feine Gabel
• Harmonische Optik (bis auf den 4 in 1 Auspuff)
Minus
• Etwas unsensibles Federbein
• Kaltstartdrehzahl
• Etwas zu viele Plastikteile
Technische Daten
Preis: 11.695 Euro in Schwarz, 11.895 Euro in Olivgrün, 11.995 Euro in Braun
Leistung: 111 PS bei 8 500/min
Drehmoment: 99 Nm bei 6 500/min
Motor: Viertakt-Reihenvierzylinder­motor, wassergekühlt, vier Ventile pro Zylinder, dohc, Hubraum 948 ccm, Bohrung x Hub 73,4 x 56 mm
Getriebe/Endantrieb: 6-Gang, Kette
Rahmen: Gitterrohrrahmen aus Stahl
Federung vorn: Upside-down-Gabel, Standrohr-Ø 41 mm, Federweg 120 mm, voll einstellbar
Federung hinten: Aluminiumschwinge mit Monofederbein, Federweg 140 mm, voll einstellbar
Fahrwerksgeometrie: Radstand 1470 mm Lenkkopfwinkel 65°, Nachlauf 99 mm
Bremsen: 300-mm-Doppelscheibe vorn, 250-mm-Scheibe hinten, ABS
Bereifung: 120/70ZR17 und 180/55ZR17
Zulässiges Gesamtgewicht: 395 kg
Inspektion: 6000 km oder 1 x jährlich
Testverbrauch: 6,0 l /100 km
Gewicht vollgetankt: 215 kg

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