Die doppelte Lotte……Harley Davidson Fat Boy und Breakout 114 im Test

Gute zwei Jahre ist es her, dass ich das letzte Mal auf einem Milwaukee Twin gesessen habe. Eine Softail Slim war es damals und sie hatte, auf ihre ganz spezielle Art und Weise good Vibrations verbreitet und Spaß gemacht. Um diese Erinnerung aufzufrischen, nahm ich daher erneut mit Harley Davidson Kontakt auf und sicherte mir gleich zwei Maschinen zum Fahrtest woraus nun der Text zur „Doppelte Lotte“ entstand.

Harley Davidson Fat Boy 114
I‘ll be back…. Wer kenn ihn nicht den berühmten Spruch des Terminators aus den gleichnamigen Filmen der 80er und 90er Jahre! Fest damit verbunden ist sowohl Arnold Schwarzenegger in der Hauptrolle, aber auch die Harley Davidson FatBoy, die durch den Film erst den richtigen Anschub bekam. Doch anders als Schwarzenegger, der einfach nur den menschlichen Gang des älter werdens durchlebte, wuchs die FatBoy über die Jahre heran, ja entwickelte sich weiter. Und daher steht heute die moderne Interpretation dieses martialischen Kultbikes vor mir. Schon auf den ersten Blick lassen sich die Züge der Urahnin gut erkennen. Denn sowohl die Vollgussräder, als auch der maskuline Gesamtauftritt lassen keinerlei Zweifel daran, dass das hier eine FatBoy ist. Doch ist vieles an ihr gewachsen, angefangen am 114 Kubik Inch großen Motor, der mittlerweile 94 PS bei 5020 Umdrehungen pro Minute leistet und 155 NM ab 3000 Umdrehungen pro Minute aufs Hinterrad drückt, bis hin zur Reifendimension, die am Frontend mit einem 160er und am Heck mit einem 240er Reifen aufwartet. Doch während der Motor druckvoll zu überzeugen weis, vergeht der optische Reifenglanz auf unseren zumeist kurvigen und zugleich engen Straßen recht schnell. Trotz des breiten Lenkers ist nämlich arbeiten angesagt, wenn die nächste Kurvenkombination vor einem erscheint. Natürlich hört man dabei auch fröhlich schrabbend die einklappbaren Trittbretter über den Asphalt schleifen, da der Kurvenradius mal wieder etwas zu eng gewählt wurde. Überraschend neue ist dieses Kratzen allerdings für mich nicht, denn auch die Softail Slim hatte diese Besonderheit bereits vor zwei Jahren schon.
Ebenfalls nicht überrascht wird man bei der neuen FatBoy von den Bedienelementen. Alle Knöpfe sind gut erreichbar und hinlänglich bekannt. Wer also bereits einmal Harley gefahren ist, findet sich auch hier auf Anhieb zurecht. Für mich eher nostalgisch angehauchten Mensch eine Wohltat, denn warum muss man ständig etwas neu erfinden, wenn das Alte gut funktioniert? Dabei hört es bei den Schalterelementen mit dem gut funktionieren nicht auf, denn es ist auch ein Stichwort, was auf den Komfort der Maschine zutrifft. Auf der breiten Sitzfläche fühlt man sich wie in Abrahams Schoß und auch längere Etappen steckt man einfach ganz locker weg.

 

Das gemütliche Touren durch die weite Landschaft mit langgezogenen und schwungvollen Kurvenradien ist also sein Element und wird mit dem Cruiser zum puren Vergnügen. Das Feeling stimmt dabei auch, wenn durch die gestiegene Elektronik am Bike die Motordrehzahl im Stand mittlerweile das typische Blubbern des Schiffsdiesels vermissen lässt. Was hinten rauskommt ist sowieso eher verhalten, denn Euro4 und die Lautstärkeregelungen der Gegenwart machen dem V2 Sound den Gar aus. Und bitte ich rede jetzt nicht von geöffneten Klappenauspuffanlagen, die meiner Meinung nach verboten gehören. Nein es könnte einfach ein Blubber mehr sein was von einem solch schönen Motor zu hören ist.

 

Doch hat jedes Schwert bekanntlich ja zwei Seiten und so ist auf der anderen Seite die Gegenwart an der Harley wirklich sehr gut, denn es leuchtet und blinkt in modernster LED-Technik. Der LED-Frontscheinwerfer im Format des firmeneigenen Logos sieht ungemein schick aus und macht nicht nur im Dunkeln etwas her. Umrahmt von viel gebürstetem Edelstahl wirkt die Front so wie aus einem Guss. Die Gabel ist dabei straff abgestimmt und nicht einstellbar, ganz im Gegensatz zum Federbein, dass per Handrad stufenlos in der Federbasis beeinflusst werden kann. Schön umgesetzt und auch während der Fahrt einfach zu bedienen ist das ein echter Fortschritt in Sachen Fahrwerk.

 

Fazit
Ein Harley Davidson FatBoy ist, was sie schon immer war, ein dicker Cruiser. Auch in ihrer jüngsten Version spiegelt sie die eigene Modellvergangenheit wider, ja steht für Purismus und Freiheit. Für mich persönlich wäre eine etwas weniger breite Reifenwahl ein echtes Plus an Fahrspaß zumindest auf europäischen Straßen. In Amerika schaut es natürlich ganz anders aus und fällt wahrscheinlich aufgrund der breiten Straßen dort auch weniger ins Gewicht. Eine Schaltwippe und einstellbare Handhebel wären ein Komfortgewinn und trotz ABS eine zweite Bremsscheibe am Frontend wünschenswert, um die Masse von 317kg wieder einzufangen.

Harley Davidson Breakout 114
Der 3. August, ein Tag wie viel Tage im Traumsommer 2018 einfach wunderschön. Schon früh war ich an diesem Tag mit der FatBoy auf dem Weg nach Mogendorf um mit dem dicken Buben noch einmal übers Land zu cruisen und ihn dort gegen seinen aggressiveren Bruder die Breakout einzutauschen. Der Weg führte mich noch einmal quer durch die Ausläufer des Taunus und sowohl auf dem Hin- als auch auf dem Rückweg hatte ich diverse Genuss Momente mit den beiden Maschinen. War die FatBoy dabei auf der Hinfahrt noch mehr von der gemütlichen Sorte, wurde es nach dem Wechsel auf die Breakout echt langezogen und sportlich. Doch nicht nur die Sitzposition änderte das Fahrgefühl, nein auch das erheblich schmälere und vom Durchmesser her größere Vorderrad, sorgten für die Art von Funfaktor, der mir auf der FatBoy bis dahin gefehlt hatte. Im sportlichen Swing ging es also zurück nach Hause und von dort aus zu einigen Touren quer durch Odenwald und Spessart. Was der Motor konnte, war mir ja mittlerweile bekannt, denn nicht umsonst hatte ich auch hier die 114 Kubik Inch Variante der Ausführung mit 107 Kubik Inch vorgezogen. Das Fahrwerk arbeitete auch hier straff abgestimmt und wie bei der FatBoy konnte man auch hier die Federbasis per Handrad hinten variieren. Die ebenfalls nicht einstellbare Gabel indes schluckte sauber, was sie an Streckenprofilen vorgesetzt bekam und natürlich galt auch bei der Breakout Länge läuft.

 

Auch bei der Breakout setzten die Harley Macher auf altbewährtes in Sachen Bedienungselemente in Verbindung mit modernster LED-Lichttechnik. War der Scheinwerfer der FatBoy noch verkleidet und in der Form des Harley Logos designed, kommt die Breakout mit einer Art Standardware aus. Alles in Allem stimmig dem Konzept folgend ja, aber nicht so rund und schön wie beim Schwesternmodell. Rund und schön war dort auch die Tachoeinheit, die man bei der Breakout vom Tank an den Lenker positioniert hat. Zwei kleine LCD-Einheiten informieren hier über die Lebensäußerungen der Maschine. Es ist alles da, was man braucht, allerdings sehr klein in der Darstellung. Überzeugen konnte sie hingegen in Sachen Bodenfreiheit, denn bedingt durch die fehlenden Trittbretter waren mit ihr auch engere Radien ohne Kratzgeräusche machbar, was den Fahrspaß auf den engen Winkeln des Odenwaldes sehr förderte. Für mich war die Breakout am Ende der Testzeit, die bessere Wahl, da sie mir neben dem erhöhten Coolnessfaktor auch die größere Freude am Fahren bescherte. Für die Breakout jedenfalls gilt auch, ihr würde eine zweite Bremsscheibe vorne gut zu Gesicht stehen und einstellbare Handhebel täten den kurzen Fingern gut, ansonsten dürfte sie für mich gerne so bleiben, wie sie ist.

 

Endfazit
Eine Harley kauft man noch immer, weil man eine Harley haben will – und nicht, weil es auf dem Markt nicht bessere, schnellere oder sogar komfortablere Motorräder gäbe. Folgt man allerdings ihrem speziellen American Way of Life, bekommt man ein Motorrad das den Körper, die Seele und den Geist mit seinen Emotionen nicht mehr so schnell loslässt. Und wer weiß was die Zukunft noch bringt, denn auch Milwaukee wächst in seinem Tun. Erst kürzlich wurden die neuen Modelle für 2019 und sogar die Zukunftsversionen für das Jahr 2020 und danach gezeigt, die darauf schließen lassen, dass die Amerikaner neue, ja unerwartete Märkte für sich erschließen wollen.

Modelle 2019

 

Kommende Generationen ab 2020

 

Bilder Credits gehen an Peter Wahl und Motorradfreizeit, sowie an Harley Davidson und an mich 🙂

In diesem Sinne #Lifeisaride

Torsten Thimm

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