Passpartour: Silvretta-Hochalpenstraße (English Version Below) Koordinaten: 46° 55′ N, 10° 6′ O

Motorradwandern ein Wort das viele Menschen, die mit Motorrädern nichts zu tun haben, mittlerweile gar nicht mehr verstehen möchten. Einigen von ihnen sind unsere Zweiräder zu laut, wir dann meist sowieso rücksichtslos und prinzipiell immer zu schnell. Mögen diese standardisierten und aus der Luft gegriffenen Vorurteile auch in wenigen Fällen auf den einen oder die andere zutreffen, so gibt es doch für die meisten von uns nichts Schöneres als die Natur eben genau auf diesen zwei Rädern zu erkunden. Wenn im Verlauf einer Tour dabei die Straße und ihre Streckenführung, selbst zur Sehenswürdigkeit wird, dann bekommt der Begriff Motorradfahren plötzlich eine ganz andere Bedeutung und aus fahren wird eben für manchen von uns besagtes Motorradwandern. Die Silvretta-Hochalpenstraße, die das ehemals eher ärmliche Partenen im Montafon mit Galtür im Patznauental verbindet, ist so eine Straße, auf der man genüsslich wandern kann.

Silvretta Welt

Die Geschwindigkeitsschilder am Straßenrand sind längst überflüssig, denn die meisten der eiligen Fahrer werden automatisch von den bevorstehenden 32 Spitzkehren ausgebremst. Außerdem ist die Alpenstraße sowieso eher ein Asphaltband für Genießer, gegossen durchs Hochgebirge. Ja man möchte sie gar als einen dünnen Streifen Zivilisation durch die fantastische Wildnis von Piz Buin (3312 Meter), Schneeglocke (3223 Meter) und Fluchthorn (3399 Meter) bezeichnen. Der fantastische Blick auf die umliegenden Gletscher, Felswände, Bergwiesen und auf die Stauseen kommt da als Krönung noch hinzu.

Carmen und ich sind mit unseren Retro Kawasakis unterwegs. Die passen mit ihren zerklüfteten luftgekühlten Zylindern perfekt in die steinige und zerklüftete Landschaft. Zudem sind sie zum entspannten Motorradwandern die perfekt Begleitung. Mal kurz auf dem unbefestigten Randstreifen damit anhalten, um ein Foto zu schießen, kein Problem denn durch ihre Handlichkeit ist das ein Leichtes mit so einer W. Motive hierzu gibt es am Streckenverlauf und in den Seitentälern mehr als genug. Apropos Seitentäler für uns beginnt das Erlebnis aus Galtür kommend schon vor dem Mauthäuschen in Form der Kopserstraße die Carmen und mich über Soppen an den Kops Stausee führt. Es ist geradezu sensationell was die Natur hier bereits an Landschaft und Panorama für uns bereitstellt. Begeistert vom satten Grün und der glatten Seeoberfläche halten wir mehrfach inne, genießen diese Mixtur aus Sonne, Wasser und Bergen, bevor wir die „eigentliche“ Silvretta in Angriff nehmen.  

Geschichte und Erlebnis der Hochalpenstraße

Vor nun bald 70 Jahren wurde die im Südwestzipfel Österreichs gelegene Silvretta-Hochalpenstraße fertig gestellt. Dabei erreicht die rund 23 Kilometer lange Strecke auf der Bielerhöhe in 2032 Meter über dem Meer ihren Gipfelpunkt. Bis dorthin bekommen die rund 400.000 Besucher pro Jahr eine Menge sehenswertes geboten. Egal ob auf dem Fahrrad, dem Motorrad, im Auto, Wohnmobil oder per Bus, wer hier heraufkommen ist fasziniert und viele halten die Bielerhöhe für den schönsten Parkplatz der Alpen. Die Blicke von dort gehen über den aufgestauten Silvretta-See hinüber ins Reich der Stein- und Gletscherriesen. Wer mag, kann natürlich auch um den See herumwandern (runde zwei Stunden Fußweg), oder weniger anstrengend mit dem Boot auf der höchstgelegensten Motorbootfahrt Europas darüber schippern. Das machen wir jedoch nicht, stattdessen nehmen wir die Strecke und ihre verschiedenen Abschnitte unter die Räder der W’s.

Denn auch wenn die Panoramastraße über die Bielerhöhe eigentlich nur ein Nebenprodukt der gewaltigen Stausee-Projekte und Kraftwerke der Vorarlberger Illwerke ist, so ist sie für Carmen und mich doch der Mittelpunkt in diesem Moment.

Und so wandern wir in und mit der Geschichte, die bereits in den Neunzenhuntertzwanziger Jahren begonnen hat. Damals wurde der bestehende alte Karrenweg von Partenen hinauf zum Vermuntsee ständig verbreitert, damit die Zement- und Kieslastwagen ihre Fracht problemlos bis zur Baustelle bringen konnten. Im Verlauf wurde die Strecke bis auf die Bielerhöhe ausgebaut und damit gleichzeitig verlängert, um die Silvretta-Staumauer anzulegen.

Anfang der 50er Jahre wurde es dann eher zufällig ernst und der Bau der jetzigen Hochalpenstraße begann. Schuld daran war ein gewaltiger Bagger, den man zuvor in Einzelteilen per Seilbahn zum Bau der Staumauer auf die Bielerhöhe gebracht und dort zusammengebaut hatte. Für den Rücktransport ins Tal gab es später zwei Möglichkeiten: Erstens man zerlegte ihn wieder und brachte ihn so ins Tal zurück, wie man ihn hinaufgebracht hatte, oder Zweitens der Bagger bahnt sich seinen eigenen Weg zurück ins Tal. Die Verantwortlichen wählten die zweite Alternative und so bahnte sich die Maschine aus eigener Kraft ihren Weg durch das sanft abfallende Hochtal über die Pritzen Alpe nach Galtür. Damit war mit einem Schlag eine durchgehende Straße geschaffen worden, die bis 1961 auf ihrer gesamten Länge zweispurig ausgebaut wurde. Diesen Teil haben Carmen und ich bereits hinter uns gelassen.

Auf der anderen Seite der Bielerhöhe nehmen wir dafür nun einen Teil der Kilometer Talwärts nach Partenen unter die Räder unserer Retrobikes und halten dabei erneut mehrfach an. Die Ausblicke und gewundenen Spitzkehren sind einfach überwältigend und Kurve um Kurve kommen wir dem Talboden näher. Dabei wird uns in diesem letzten Abschnitt auch schnell klar, warum die Silvretta-Hochalpenstraße zu den klassischen Hochgebirgsrouten für Rad-, Motorrad- und Autofahrer gehört. Abwechslungsreich und spannend ist sie eine Verbindung die wirklich jeder mal gefahren sein sollte und bietet für Wanderer und Bergsteiger überdies einen bequemen Weg zu den Startpunkten zahlreicher alpiner Touren.

Tipps und mehr

Unterkünfte gibt es jede Menge sehr gute auf beiden Seiten der Silvretta. Wir hatten uns im Apart Vivaldi bei Jan https://www.vivaldi.at/ eingebucht und waren dort sehr zufrieden. Toll ist auch die Nähe zur Schweiz und nach Südtirol, denn dadurch hat man ein riesiges Gebiet vor sich das man nutzen kann.  

Da die Bielerhöhe natürlich zugleich bei Bikern, Radlern und wer weiß noch was bekannt ist kann sich auch hier hin und wieder der Verkehr einfach überschlagen. Nichtsdestotrotz ist es eine tolle Erfahrung.

Doch auch hier gilt, die Pässe der Umgebung sind alle wunderschön und erfahrbar. Respekt sollte man aber durchaus der Natur und auch den anderen Verkehrsteilnehmern entgegenbringen, umso mehr Freude am Fahren hat man durch diese berauschende Bergwelt.

Fazit

Ein Tag in den Bergen ist niemals ein verlorener Tag. Besonders dann nicht, wenn man tut, was einem Spaß macht. Carmen und ich jedenfalls haben unsere Passpartour über und in der Silvretta Welt sehr genossen und möchten sie euch einfach ans Herz legen. Motorräder kosten derzeit (Stand 2022) 14,50 Euro, E-Motorräder 11,50 Euro pro Bike. Wert ist es das allemal und wir wünschen euch ein ebenso tolles Erlebnis wie wir es dort hatten.

Schöne Grüße Carmen und Torsten 

Passpartour: Silvretta-Hochalpenstraße Coordinates: 46° 55′ N, 10° 6′ E

Motorbike touring is a word that many people who have nothing to do with motorbikes no longer want to understand. Some of them think our two-wheelers are too noisy, that we are usually inconsiderate anyway and that we always go too fast. Even though these standardised prejudices may be true in a few cases, for most of us there is nothing better than exploring nature on these two wheels. When, in the course of a tour, the road and its routing become a sight in themselves, the term motorcycling suddenly takes on a completely different meaning, and for some of us riding becomes the aforementioned motorbike hiking. The Silvretta High Alpine Road, which connects the formerly rather poor Partenen in the Montafon with Galtür in the Patznauental, is such a road on which one can enjoy hiking.

Silvretta World

The speed signs on the side of the road have long been superfluous, as most of the drivers in a hurry are automatically slowed down by the 32 hairpin bends ahead. Besides, the Alpine road is more of an asphalt ribbon for connoisseurs anyway, poured through the high mountains. One might even call it a thin strip of civilisation through the fantastic wilderness of Piz Buin (3312 metres), Schneeglocke (3223 metres) and Fluchthorn (3399 metres). The fantastic view of the surrounding glaciers, rock faces, mountain meadows and reservoirs is the crowning glory.

Carmen and I are on the road with our retro Kawasakis. With their rugged air-cooled cylinders, they fit perfectly into the rocky and rugged landscape. They are also the perfect companion for relaxed motorbike touring. Stopping briefly on the unpaved verge to take a photo is no problem, because their manageability makes it easy with such a W. There are more than enough motifs for this along the route and in the side valleys. Speaking of side valleys, the experience begins for us coming from Galtür even before the toll booth in the form of the Kopserstraße, which leads Carmen and me via Soppen to the Kops reservoir. It is almost sensational what nature has already prepared for us here in terms of landscape and panorama. Thrilled by the lush green and the smooth surface of the lake, we pause several times to enjoy this mixture of sun, water and mountains before tackling the „real“ Silvretta.  

History and experience of the High Alpine Road

The Silvretta High Alpine Road, located in the south-western tip of Austria, was completed almost 70 years ago. The 23-kilometre-long route reaches its peak on the Bielerhöhe at 2032 metres above sea level. Up to there, the approximately 400,000 visitors per year are offered a lot of sights worth seeing. Whether on a bicycle, motorbike, in a car, camper van or by bus, those who come up here are fascinated and many consider the Bielerhöhe to be the most beautiful car park in the Alps. The views from there go across the dammed Silvretta Lake to the realm of the stone and glacier giants. If you like, you can of course also hike around the lake (a two-hour walk), or take a less strenuous boat trip across it on the highest motorboat trip in Europe. But we don’t do that, instead we take the route and its various sections under the W’s wheels.

Because even though the panoramic road over the Bielerhöhe is actually only a by-product of the massive reservoir projects and power plants of the Vorarlberg Illwerke, for Carmen and me it is the centre of attention at this moment.

And so we walk in and with the history that already began in the nineteen-twenties. At that time, the existing old cart track from Partenen up to Lake Vermunt was constantly widened so that the cement and gravel trucks could easily bring their freight to the construction site. In the course of time, the route was extended up to the Bielerhöhe and thus at the same time extended to create the Silvretta dam.

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At the beginning of the 1950s, things got serious rather by chance and the construction of the current High Alpine Road began. The culprit was a huge excavator, which had previously been transported in individual parts by cable car to the Bielerhöhe for the construction of the dam and assembled there. There were two options for transporting it back down to the valley: Firstly, it was dismantled again and brought back to the valley in the same way as it had been brought up, or secondly, the excavator made its own way back to the valley. Those responsible chose the second alternative, and so the machine made its way under its own power through the gently sloping high valley over the Pritzen Alpe to Galtür. This created a continuous road in one fell swoop, which was expanded to two lanes along its entire length by 1961. Carmen and I have already left this part behind us.

On the other side of the Bielerhöhe, we now take a part of the kilometres downhill to Partenen under the wheels of our retro bikes, stopping again several times. The views and winding hairpin bends are simply overwhelming and curve after curve we get closer to the valley floor. In this last section, we quickly realise why the Silvretta High Alpine Road is one of the classic high mountain routes for cyclists, motorcyclists and car drivers. Varied and exciting, it is a connection that everyone should really have driven at least once, and for hikers and mountaineers it also offers a convenient route to the starting points of numerous alpine tours.

Tips and more

There is plenty of very good accommodation on both sides of the Silvretta. We booked into Apart Vivaldi with Jan and were very satisfied https://www.vivaldi.at/. The proximity to Switzerland and South Tyrol is also great, because you have a huge area in front of you that you can use.

Since the Bielerhöhe is of course also known to bikers, cyclists and who knows what else, the traffic can simply overflow here from time to time. Nevertheless, it is a great experience.

But here too, the passes in the area are all beautiful and can be experienced. However, you should show respect for nature and other road users, the more fun you will have driving through this exhilarating mountain world.

Conclusion

A day in the mountains is never a wasted day. Especially not if you do what you enjoy. Carmen and I, for one, really enjoyed our passport tour over and in the Silvretta world and would simply like to recommend it to you. Motorbikes currently cost (as of 2022) 14.50 euros, e-motorbikes 11.50 euros per bike. It’s well worth it and we hope you have as great an experience as we had there.

Best regards Carmen and Torsten  

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