Kawasaki W650 und die W-Frage….? Wenn alles etwas anders läuft

Wir alle entwickeln uns im Leben irgendwie ständig weiter. Auch was unsere Hobbies angeht, kommt es zuweilen vor das sie sich verändern, oder zumindest der Geschmack, wie beim Wein eine Veränderung durchmacht. So gesehen also alles ganz normale Abläufe, doch was ist wenn man viele Jahre einem Motorrad die Treue gehalten, ja es als eins der besten Bikes überhaupt bezeichnet hat und nun auf einmal die Empfindungen an das geliebte Stück immer weniger werden? Auch Normal…?? Nun einige werden jetzt denken …. Blöder Spinner…. so was gibt es doch gar nicht, andere wissen genau was ich meine. Blöd dabei ist nur, wenn jeder in deinem Umfeld denkt die anstehende Neuanschaffung entspricht unserem stetig wachsenden gesellschaftlichen Leistungsdruck. Also schneller, höher und weiter, das neue Objekt der Begierde dies aber so überhaupt nicht erfüllen will. So gesehen also ein echtes Dilemma dem man auf diversen Arten begegnen kann! Die Geschichte die nun folgt ist mein Art und mein Weg zur Veränderung!

Für mich begann die W-Frage in den Jahren 2012-2013, als ich in einer Fachzeitschrift die Bilder der umgebauten Kawasaki W650 vom Schlachtwerk in Offenbach zu sehen bekam. Schon damals dachte ich mir sofort, welch ein schickes und luftiges Dingelchen so eine W doch ist und wie sie sich wohl fährt! Einfach aufgebaut und mit einer Königswelle versehen, die man so nur äußerst selten zu Gesicht bekommt, war sie da schon was Besonderes für mich. Da Offenbach nicht weit weg ist und die sozialen Netzwerke viele Kontaktmöglichkeiten bieten, lernte ich daraufhin zuerst Svenja kennen. Sie war damals die Lebensgefährtin und Designerin von Thomas, dem Kopf hinterm Schlachtwerk. Wir schrieben zunächst über die Geschichte ihrer W’s, den Umbau und die Designarbeiten drum rum. Später beim persönlichen Besuch in der Werkstatt lernte ich dann auch Thomas kennen, der sofort den richtigen Eindruck von mir bekam. Ich konnte es mir in dem Moment wahrlich bildlich vorstellen…. Was hat der Typ da vor mir in seinem Anzug für eine Ahnung von Motorrädern… 😊?


Fotos von Svenja

Nun ja ein wenig Ahnung schon und im weiteren Gespräch kam das glaube ich auch recht gut rüber! Vom erzählten und vor allem auch gesehenen angestachelt war dieser Dorn von nun an in mir gesetzt. Doch diverse private und vor allem geschäftliche Veränderungen zögerten eine Anschaffung hinaus.

So vergingen vier Jahre und erst 2017 änderte sich das. Warum? Nun meine Frau entschied sich ein neues Moped zu testen und nach 11 Jahren dem Heavy Metall in Form ihrer Meanstreak zu entsagen. Nachdem alle Versuche irgendwie mit Triumph ins Geschäft zu kommen fehlschlugen, stand auf einmal die W650 bzw. W800 im Vordergrund. Mit etwas Recherche fand sich eine passende W800 in Bremerhaven bei Harry Zager. Ein paar Tage und gut 1100 km später war der Deal gemacht und auch die gewünschten Umbauten die Carmen haben wollte hatte ich mittlerweile vollzogen, als es passierte ………. Ich stieg auf die W und machte eine Probefahrt damit.

W… wie, WIE konnte ich das nur tun? Die Frage schießt mir heute noch ab und an durch den Kopf. Aber wie es so ist, sind die schönsten Begegnungen die, die wir vorher nicht kennen oder direkt einschätzen können und so das wahre Prickeln des Lebens. Ich fuhr los auf die Hauptstraße, raus aus dem Ort und es war um mich geschehen. Alles was die TRX vorher je zu sein vermochte, war dahin denn unter mir liefen gerade zwei Zylinder in Reihe, eine kleine Turbine rechts bewegte die Nockenwellen und die 48 PS Leistung reichten vollkommen aus um glücklich zu sein. Die Kleine und ich fuhren gemeinsam Kurven an diesem Tag bis die Sonne am Horizont begann unterzugehen. So entspannt, so einfach und so voller Emotionen war ich lange nicht mehr auf zwei Rädern unterwegs gewesen. Beim letzten Stopp vor der heimischen Garage war für mich klar: Mein Motorradleben hatte sich heute verändert und die Frage kam auf: WIE komme ich nun an meine eigene W?

Noch am selben Abend standen die SR500 und die TRX in den bekannten Verkaufsbuchten im Internet und da standen sie nun erst einmal wie Blei. Das Interesse war mau und doch gab ich die Hoffnung nicht auf, die beiden Maschinen so verkaufen zu können, dass am Ende genügend Kleingeld für die Kawasaki meiner Wünsche übrig blieb. Zu meinem Glück starb die Hoffnung dieses Mal nicht zuletzt, denn irgendwann meldete sich ein Käufer für die SR der sie sofort mitnahm und nach Sizilien damit aufbrach. Ein paar Tage später war dann auch die TRX verkauft und nach 20 Jahren war meine Garage zum ersten Mal yamahafrei. Doch eine wirkliche Trauer gab es nicht darüber, denn bereits einen Tag später saß ich im Auto gen Norden und kaufte das wonach meine Bikerseele verlangte. Eine Kawasaki W650, Bj.1999 mit gerade einmal 10000km auf der digitalen Uhr. Dem einzigen digitalen Teil dieser Maschine, denn ansonsten waren da runde Instrumente mit Zeigern zu sehen, eine Vergaserbatterie und eben auch dieser leichte,  luft/ölgekühlte Motor. Die Heimfahrt war die reine Freude und nachdem ich das optisch schöne Motorrad dann auch wieder mit Liebe, in Form eines Services versehen hatte, stand der ersten Tour nichts mehr im Wege.

Es war ein Dienstagnachmittag als wir losfuhren und die ersten gemeinsamen Kurven unter die Räder nahmen. Die Leichtigkeit mit der die W um die Ecken fuhr, der Klang des Motors und der Vortrieb der 50PS machten in diesem Moment einfach meinen Tag. Bei jeder Durchfahrt eines Ortes suchte ich die Schaufenster und betrachtete mein Spiegelbild mit einem breiten Grinsen unter dem Jethelm. Meine Essenz des Motorradfahrens hatte ich wiedergefunden und ich sags euch es hält an. Denn mittlerweile sind wir einige Touren gefahren. Das Grinsen unterm Helm weicht ebensowenig wie die innere Ruhe und Entspanntheit, wenn wir durch die Kurven wieseln und uns den Wind um die Nase wehen lassen.

W…. wie WAS am Ende noch bleibt: Ist ein Danke an Kawasaki für dieses Motorrad, dass mittlerweile als Neumotorrad zum zweiten Mal als 800er neu aufgelegt worden ist. Danke an Svenja und Thomas für die Freundschaft und den Dorn der dazu führte das wir nun gleich zwei W’s besitzen. Und ein ganz besonderes Danke an meinen Schatz, der mir meine Flausen lässt, obwohl es ab und an besser wäre sie nicht zu verwirklichen.

P.S. Umbauten und Veränderungen an den W’s

800er Optimierung der Gabel, Stahlflexleitung, breiterer Lenker mit Lenkerendspiegel von Highsider, LED-Frontlicht von Parts-Europe, Blinker von Parts-Europe, Rücklichteinheit von Highsider.

650er Optimierung der Gabel mit Federn und längeren Hülsen, Federbeine YSS, LED-Scheinwerfer von Highsider, Stahlflexleitung vorne, Tomaselli Lenker, LED Rücklicht, Blinker, Spiegel, Handhebel, Motorschutz und Kettenschutz von Highsider bzw. LSL, Kettenöler von Berotec, Fußrasten, Sitzbank und Taschenhalter von SW-Motech. Letzteres modifiziert durch die Bikebrothers in Eppertshausen.

English Version below

We all somehow constantly evolve in life. Also with regard to our hobbies, it sometimes happens that they change, or at least the taste, as with wine undergoes a change. In this sense, everything is normal, but what happens when you have been faithful to a motorcycle for many years, when you have called it one of the best bikes ever and now suddenly the feelings for your beloved bike are getting less and less? Also normal…? Well, some will think now …. Stupid weirdo … there is no such thing, others know exactly what I mean. The only stupid thing is that everyone in your environment thinks that the upcoming new acquisition corresponds to our constantly growing social pressure to perform. So faster, higher and further, but the new object of desire does not want to fulfill this at all. So seen in this way, a real dilemma that you can meet in various ways! The story that now follows is my way and my way to change!

For me the W-question began in the years 2012-2013, when I saw pictures of the converted Kawasaki W650 from the slaughterhouse in Offenbach in a trade magazine. Already at that time I immediately thought, what a chic and airy little thing such a W is and how it probably drives itself! Simply constructed and equipped with a royal shaft, which you rarely see, it was something special for me. Since Offenbach is not far away and the social networks offer many contact possibilities, I first met Svenja. At that time she was the partner and designer of Thomas, the head behind the slaughterhouse. First we wrote about the history of her W’s, the rebuilding and the design work around it. Later, during a personal visit in the workshop, I got to know Thomas, who immediately got the right impression of me. I could truly imagine it in that moment… What does the guy in front of me in his suit have for an idea of motorcycles … 😊?

Well a little bit of a hunch already and in the further conversation I think that came across quite well! From now on this thorn was set in me by the told and above all also seen spurred on. But various private and especially business changes delayed an acquisition.

So four years passed and only in 2017 this changed. Why? Well my wife decided to test a new moped and after 11 years to renounce the heavy metal in form of her Meanstreak. After all attempts to get into business with Triumph somehow failed, the W650 and W800 were suddenly in the foreground. With some research a suitable W800 was found in Bremerhaven at Harry Zager. A few days and about 1100 km later the deal was done and I had also done the desired modifications that Carmen wanted to have when it happened ……………. I got on the W and made a test drive with it.

W… how, HOW could I do that? The question still shoots through my head every now and then. But as it is, the most beautiful encounters are the ones we don’t know before or can assess directly and so the real tingle of life. I drove off onto the main road, out of the town and it was all about me. Everything the TRX had ever been before was gone, because underneath me two cylinders were running in a row, a small turbine on the right was moving the camshafts and the 48 hp power was enough to be happy. The little one and I drove curves together that day until the sun began to set on the horizon. I had not been on two wheels so relaxed, so easy and so full of emotions for a long time. At the last stop in front of my home garage it was clear for me: My motorcycle life had changed today and the question came up: HOW do I get my own W?

The same evening the SR500 and TRX were in the well-known sales bays on the Internet and there they stood like lead. The interest was low, but I did not give up hope to sell the two machines in such a way that in the end there was enough money left for the Kawasaki of my dreams. Luckily this time the hope did not die last, because sometime a buyer for the SR contacted me and took them with him to Sicily. A few days later the TRX was sold and after 20 years my garage was yamaha free for the first time. But there was no real sadness about it, because already one day later I sat in the car to the north and bought what my biker soul was longing for. A Kawasaki W650, built in 1999 with only 10000km on the digital clock. The only digital part of this machine, because otherwise there were round instruments with hands, a carburetor battery and also this light, air/oil cooled engine. The drive home was pure joy and after I had provided the optically beautiful motorcycle then also again with love, in the form of a service, nothing more stood in the way of the first tour.

It was a Tuesday afternoon when we started and took the first common curves under the wheels. The ease with which the W went around corners, the sound of the engine and the propulsion of the 50hp just made my day at that moment. Every time I passed a place I looked for the shop windows and looked at my reflection with a broad grin under the jet helmet. I had found my essence of motorcycling again and I tell you it stops. Because in the meantime we have been riding some tours. The grin under the helmet does not give way as well as the inner calmness and relaxation when we are weaseling through the curves and let the wind blow around our noses.

W… how WHAT remains in the end: Is a thank you to Kawasaki for this bike, which has now been reissued as a new bike for the second time as an 800cc. Thanks to Svenja and Thomas for the friendship and the thorn that led to the fact that we now own two W’s. And a very special thanks to my darling, who leaves me my nonsense, although it would not be better to realize it from time to time.

P.S. Conversions and changes to the W’s 800s Optimization of the fork, steel flex line, wider handlebar with handlebar end mirror from Highsider, LED front light from Parts-Europe, indicator from Parts-Europe, tail light unit from Highsider.

650er optimization of the fork with springs and longer sleeves, suspension struts YSS, LED headlights from Highsider, steel flex cable front, Tomaselli handlebars, LED tail light, indicators, mirror, hand lever, engine protection and chain guard from Highsider or LSL, chain oiler from Berotec, footrests, seat and bag holder from SW-Motech. The latter modified by the Bikebrothers in Eppertshausen.

In diesem Sinne LifeisaRide und schöne Grüße

Torsten Thimm

10 Kommentare

  1. sehr treffend geschrieben!! Hast Du ja ähnlich im W Forum gemacht.
    Fühle mich versucht den Link dort zu teilen…
    Aber das ist glaub ich, nicht mein Zimmer. 🙂

    Gefällt 1 Person

  2. Sehr schön geschrieben….
    Ich habe damals meine ntv über alles geliebt, nur eine wundervolle Honda mit Kardan wäre eine würdige Ablösung gewesen….
    Daher ist es dann die Suzuki mit Kette geworden, weil es da einfach schon bei den ersten Bildern und erst recht bei der Probefahrt gekribbelt hat…
    Das kribbeln im Bauch gibt dir recht!
    Viele Grüße, Julia

    Gefällt 1 Person

  3. Hallo Thorsten,

    hätte nie gedacht dass Du die TRX je verkaufst und noch dazu die SR500,
    aber manchmal muss man wohl die Prioritäten neu setzen. 🙂

    Liken

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