Fahrtest: Indian Super Chief Limited (English Version Below)

Nun hat es also tatsächlich 120 Jahre gedauert, bis ich zum ersten Mal eine Indian Probe fahren und ausgiebig testen konnten. Und was für Eine, die Indian Super Chief Limited Maroon bildet sozusagen die Spitze der neuen Chief Modelle und ist praktischerweise gleich zwei Motorräder in einem. Warum das so ist, lest ihr im folgenden Testbericht.

Indian Super Chief Limited Maroon

Da steht sie jetzt also direkt vor mir die neue Indian Super Chief in ihrer vollen Pracht. Modernste LED-Technik rundum erfreut die Augen des Betrachters und macht schon mal einiges her. Der dunkelrote Metalliclack und das Chrom schimmern im gleißenden Sonnenlicht um die Wette und eigentlich wäre es in der Werkstattgarage gerade wesentlich angenehmer, anstatt hier draußen. Doch was solls, die Einweisung in die Funktionen der Maschine sind schnell erledigt, der Schlüssel für das Keyless-Go-System fix in der Tasche verstaut und schon kurze Zeit später bläst mir der kühlende Fahrtwind durch die Lüftungsöffnungen meiner Kombi. Im Standard Fahrmodus bobbere ich gemütlich aus der Stadt hinaus, untermalt vom sonoren Klang des luftgekühlten Thunderstroke 116 Motors. Der liefert neben den rechnerischen 1901ccm (Indian gibt abgerundete 1890ccm an), gewaltige 162 Nm Drehmoment, sowie 88 PS Leistung für ausreichenden Vortrieb in allen 6 Gängen ans Hinterrad. Diese Kraft wird dabei über einen wartungsarmen Zahnriemen geräuschlos ans Hinterrad übertragen. Schaltet sich das Getriebe zu Beginn der Fahrt, bei kaltem Motor erst noch ein wenig hart, ändert sich diese Charaktereigenschaft mit steigender Motortemperatur recht zügig. Die Gänge flutschen sozusagen und nach der letzten roten Ampel der Stadt biege ich von der Wärme des Tages leicht angeröstet auf die Schnellstraße ein. Damit ist es Zeit, um die Kupplungshand endlich ein wenig zu entspannen, denn leider hat man bei Indian zwar eine leichtgängige Kupplung, aber in Sachen Handhebel nur die nichteinstellbare Standardware verbaut. Die Hebel stehen zudem noch recht weit weg, was Leuten mit kurzen Händen auf Dauer definitiv nicht zur Freude gereicht. Der vorhandene Tempomat indes schon, ebenso wie die beiden weiteren Fahrmodi, Tour und Sport. Sie funktionieren superb. Wobei man beim Switch von Standard auf Tour im Grunde nur wenig Veränderungen spürt. Beim Anwählen des Sportmodi ist allerdings Vorsicht geboten, denn wenn man die ganze Zeit gemütlich vor sich hin gerollt ist, überrascht diese Stufe beim Gas anlegen mit echten BadAss Allüren. Die volle Power steht dabei direkt und ohne doppelten Boden am Gasgriff zur Verfügung und schießt dich regelrecht in eine andere Dimension. Ich für meinen Teil war im ersten Moment wirklich von den zwei Seelen des Chiefs überrascht.

Und da wir gerade schon beim Thema Dimensionen sind! Im anderen Sinne, nämlich bei den Fahrergrößen hat der Hersteller die diversen Unterschiede gut im Auge. Denn für mich sind die Verwirbelungen hinter der montierten Touringscheibe ab 100 km/h wirklich gruselig. Um genau zu sein so schlimm, dass die Scheibe das Erste war, was ich nach meiner Ankunft zu Hause demontiert habe. Dabei war die Demontage mit dem Herausschrauben zweier Inbusschrauben und lösen der Klemmen kinderleicht und mir gefiel die Maschine ohne das Schild auf Anhieb gleich noch besser. Doch wie schon gesagt Indian hat in Sachen Touring mitgedacht und so bin ich mir ziemlich sicher das am Ende eine der sechs zur Verfügungen stehenden Scheibengrößen auch mir passen würde.   

Freies Fahren im Kurvenlabyrinth

Das wahre Gefühl für die Chief kommt aber natürlich nicht im Stopp and Go Verkehr in der Stadt und auch nicht beim Dauergas auf der Schnellstraße. Nein ihre Stärken spielt sie im Cruising Mode auf den Landstraßen aus. Dabei zeigt sie, dass man auch mit Trittbrettern durchaus sportliche Kurvenradien fahren kann, ohne dass es sofort zum Metallabrieb kommt. Schnurgerade zieht sie durch die Kurven und dank ihres straff abgestimmten Fahrwerkes auch zielgenau auf der erdachten Linie. Bei so viel Elan schießt dir als Fahrer ein unglaubliches Lächeln unter den Helm, denn der Indian Twin untermalt das Herausbeschleunigen aus der Kurve mit seinem Euro5 konformen V2 Sound. Überhaupt ist der Motor neben dem ausgezeichneten Rahmen /Fahrwerk Konstrukt das Herzstück dieser Maschine, und zwar eines welches die Herzfrequenz definitiv ansteigen lässt. Genau mit diesem pulsierenden Gefühl unter mir lasse ich erst einmal die nächsten Kurven und Kilometer weiter laufen und genieße das entspannte Fahren im Sattel des Chiefs.

Nähere Betrachtungen

Nach gut und gerne 250 Testkilometern haben der Häuptling und ich dann aber erst einmal genug Strecke hinter uns gebracht und ich halte für eine kleine Pause an. Der Tag ist noch jung und so ist genügend Zeit, um die Maschine noch einmal eingehender unter die Lupe zu nehmen. Hierbei fällt einer der ersten Blicke neben dem chromstrotzenden Motor automatisch auf das digitale Rundinstrument. Dieses 101 mm große, Ride Command-System genannte Farb-TFT hat vielfältige Funktionen und zudem eine integrierte Turn-by-Turn-Navigation. Smartphones werden bei Bedarf einfach per Bluetooth eingebunden. Man zeigt damit ganz klar, dass sich TFT und Emotion mit ein bisschen Aufwand durchaus vereinen lässt. Denn auf dem Display drehen sich, wenn auch digital wahrhaftige Zeiger vorm Auge des Fahrers. Allerdings würde es hier den Rahmen sprengen alle Funktionen aufzählen. Daher ist mein Tipp, probiert doch einfach eine der Chiefs in einer Testfahrt einfach mal selbst aus. Glaubt mir es ist alles da ist was man braucht und noch Vieles mehr. Das Cockpit lässt sich dabei intuitiv, wechselseitig über drei Taster an der linken und rechten Schalteramatur der Maschine bedienen, oder auch leider etwas fummelig mit Handschuhen direkt am Instrument.

An den Schaltereinheiten indes finden sich neben den Standardknöpfen für Blinker und Zündung auch die Schalter des Tempomat und aller weiteren Funktionen der Maschinenbedienung. Alles sehr übersichtlich, aufgeräumt und in sehr typisch amerikanischem Style. Ein Style der sich in wenigen Details nach hinten hin fortsetzt. Denn zumindest bei meiner Testmaschine (laut Aussage Indian, war es noch nicht ganz Serie), waren die Kühlrippen des Motors durch den Diamantschliff sehr scharfkantig und nicht entgratet. Für alle die gerne putzen, um ihr glänzendes Chrom zu genießen, mein Tipp, hier ist wirklich Vorsicht für die Fingerkuppen geboten.

Weiters verläuft die Stahlflexbremsleitung der vorderen Bremse leider ungünstig über das seitlich angebrachte Lenkradschloss, was das Abschließen der Maschine fummelig gestaltet. Teile der Elektronik liegen mehr oder minder ungeschützt im Schlagbereich hinterm Vorderrad. Ja und wer bei den wertigen anmutenden Ledertaschen auf ebenso wertige Verschlüsse hofft, der wird leider durch Plastikklicks alla Scout Ranzen etwas enttäuscht. Das ist Fertigungstechnisch heute nicht mehr unüblich. Es passt aber so gar nicht zum sonst wertigen Auftritt der Maschine mit ihren Metalldeckeln, metallenen Fendern und diesem wunderschön gemachten Motor.

Der springt nach der Pause übrigens abgekühlt satt an und es geht entspannt zum nächsten Etappenziel weiter. Der Standardmodus ist dabei mittlerweile mein Blutsbruder geworden, denn er ist weniger aggressiv als die Sport Variante. Außerdem lässt es sich damit gediegen und ohne Lastwechsel durch die Ortschaften rollen. Genug Drehmoment ist so oder so immer vorhanden. Zudem laufen die 1.626 mm Radstand auf den 16 Zoll Speichenfelgen stressfrei, wohin auch immer der Fahrer die breite Lenkstange bewegt. Ein schönes Gefühl das Vertrauen schafft und die Chief von der Masse abhebt.

Zwei Seelen

Und genau das ist es im Grunde genommen auch, was dem Häuptling unter mir seine beiden Seelen verleiht. Denn er kann, wenn er will, ist zum einen mit seinen Satteltaschen und einer Rolle auf dem Heck der perfekte Tourenbegleiter. Auf der anderen Seite ist da dieser nennen wir es einmal, krasse Sport Modus und das straffe Fahrwerk, welche die Indian mit etwas Fantasie zum Wild-Horse-Bobber machen, mit dem man am liebsten am nächsten Drag-Race teilnehmen möchte. Diese Kombination aus Engel und Teufel ergibt eine Komposition, die ich zu Beginn des Testes noch nicht begriffen hatte, da mir Vieles erst einmal, verglichen mit anderen Maschinen dieser Gattung merkwürdig vorkam. Die Chief funktioniert aber anders und ich finde das sehr gut so.

Fazit

Sich von den Mitbewerbern abzuheben ist immer gut, gerade in der heutigen Zeit des Verschmelzens von so vielen technischen und optischen Teilen. Zudem kann es ein wichtiger Aspekt für die Kaufentscheidung eines Kunden sein. Mit der Indian Super Chief Limited gelingt dies zum einen durch die eigenständige Optik der Maschine, aber auch durch das immer noch luftgekühlte starke Herz in der Mitte. Daneben machen Rahmen, das Fahrwerk und vor allen auch das Cockpit die wenigen nicht ganz so gelungenen Punkte meiner Meinung nach wieder wett und lasen Platz für Individualität. Auf diese Art und Weise bringt man also nicht nur ein Chief Modell auf die Straße, sondern etwas Eigenständiges, was den Spirit aus 120 Jahren Firmengeschichte durchaus ins heute transportiert. Gespickt wird das Alles noch mit einer riesigen Zubehörkette zur Individualisierung, die dahinter steht.

In diesem Sinne nehmt selbst einmal im Schoß des Chief auf entspannten 660mm Höhe Platz. Fühlt die 335 Kilogramm fahrfertigen Rock ‘n Roll unter euch und lasst euch faszinieren, um euch selbst ein Bild davon zu machen. Ich für meinen Teil war am Ende schon immer mehr der Indianer, denn der Cowboy.

Beste Grüße euer Torsten Thimm direkt aus der Prärie des wilden Südens.

Road Test: Indian Super Chief Limited

So it really did take me 120 years until I was able to test ride an Indian for the first time. And what a bike it is: the Indian Super Chief Limited Maroon is, so to speak, the top of the range of the new Chief models and, conveniently, two motorbikes in one. Read the following test report to find out why.

Indian Super Chief Limited Maroon


So there it is, right in front of me, the new Indian Super Chief in all its glory. State-of-the-art LED technology all around is a feast for the eyes and a real eye-catcher. The dark red metallic paint and the chrome gleam in the glistening sunlight and actually it would be much more pleasant in the workshop garage than out here. But what the heck, the briefing on the functions of the machine is quickly done, the key for the keyless go system is quickly stowed in my pocket and a short time later the cooling breeze blows through the vents of my station wagon. In standard driving mode, I cruise leisurely out of town, accompanied by the sonorous sound of the air-cooled Thunderstroke 116 engine. In addition to the calculated 1901cc (Indian gives a rounded 1890cc), it delivers a massive 162 Nm of torque and 88 hp of power to the rear wheel for sufficient propulsion in all 6 gears. This power is transmitted silently to the rear wheel via a low-maintenance toothed belt. If the gearbox is a little hard to shift at the beginning of the journey, when the engine is cold, this characteristic changes quite quickly as the engine temperature rises. The gears slip, so to speak, and after the last red light in the city, I turn onto the motorway, slightly toasted by the heat of the day. This means it’s time to finally relax the clutch hand a little, because unfortunately, although Indian has a smooth-running clutch, it only has the standard non-adjustable hand lever. The levers are also quite far away, which is definitely not fun for people with short hands. The cruise control, however, is, as are the two other driving modes, Tour and Sport. They work superbly. When you switch from Standard to Tour, you basically feel very little change. When selecting the sport mode, however, caution is advised, because if you have been rolling along comfortably all the time, this level surprises you with real BadAss airs when you open the throttle. The full power is available directly and without a false bottom at the throttle grip and literally shoots you into another dimension. For my part, I was really surprised by the Chief’s two souls at first.
And while we’re on the subject of dimensions! In the other sense, namely with the rider sizes, the manufacturer has the various differences well in mind. Because for me, the turbulence behind the mounted touring windshield is really scary from 100 km/h onwards. So bad, in fact, that the windscreen was the first thing I dismantled after arriving home. Dismantling was child’s play with the unscrewing of two Allen screws and loosening of the clamps, and I immediately liked the bike even better without the shield. But as I said before, Indian has thought along in the matter of touring and so I am pretty sure that in the end one of the six available disc sizes would also fit me.

Free riding in the maze of bends


Of course, the real feeling for the Chief doesn’t come in stop-and-go traffic in the city, nor does it come at full throttle on the motorway. No, it shows its strengths in cruising mode on country roads. Here, it shows that it is possible to ride sporty curve radii even with running boards, without immediately causing metal abrasion. It pulls straight through the bends and, thanks to its tightly tuned chassis, also precisely on the intended line. With so much verve, an unbelievable smile shoots under your helmet as a rider, because the Indian Twin underlines the acceleration out of the bend with its Euro5-compliant V2 sound. The engine, along with the excellent frame and chassis construction, is the heart of this machine, and one that definitely raises the heart rate. It is precisely with this pulsating feeling underneath me that I first let the next bends and kilometres go on and enjoy the relaxed ride in the Chief’s saddle.

Closer observations


After a good 250 test kilometres, the chief and I have covered enough distance and I stop for a short break. The day is still young and there is enough time to take a closer look at the bike. One of the first things I notice, apart from the shiny chrome engine, is the digital instrument cluster. This 101 mm colour TFT, called Ride Command System, has a variety of functions and also integrated turn-by-turn navigation. Smartphones are simply connected via Bluetooth if required. This clearly shows that TFT and emotion can be combined with a little effort. On the display, true hands turn in front of the driver’s eyes, albeit digitally. However, it would go beyond the scope of this article to list all the functions. Therefore, my tip is to simply try out one of the Chiefs for yourself in a test drive. Believe me, everything you need is there and much more. The cockpit can be operated intuitively, alternately via three buttons on the left and right switch panel of the machine, or unfortunately somewhat fiddly with gloves directly on the instrument.
In addition to the standard buttons for indicators and ignition, the switches for cruise control and all other functions for operating the machine are located on the switch units. Everything is clearly laid out, tidy and in typical American style. A style that continues in a few details towards the rear. Because at least on my test machine (according to Indian, it wasn’t quite standard yet), the cooling fins of the engine were very sharp-edged and not deburred due to the diamond cut. For all those who like to clean to enjoy their shiny chrome, my tip is to be really careful here for your fingertips.
Furthermore, the steel braided brake line of the front brake unfortunately runs awkwardly over the side-mounted steering whe
el lock, which makes locking the machine fiddly. Parts of the electronics lie more or less unprotected in the impact area behind the front wheel. Yes, and if you were hoping for equally high-quality fasteners in the leather panniers, you will unfortunately be disappointed by plastic clicks like those on Scout satchels. In terms of manufacturing technology, this is no longer unusual. However, it does not fit in at all with the otherwise high-quality appearance of the machine with its metal covers, metal fenders and this beautifully made engine.
By the way, after the break, it starts up smoothly and cools down, and we continue to the next stage destination in a relaxed manner. The standard mode has become my blood brother, because it is less aggressive than the sport version. In addition, it allows the car to roll through towns and cities smoothly and without load changes. Either way, there is always enough torque. In addition, the 1,626 mm wheelbase on the 16-inch spoke rims run stress-free wherever the rider moves the wide handlebars. A nice feeling that inspires confidence and sets the Chief apart from the crowd.


Two souls


And that’s basically what gives the Chief beneath me its two souls. Because it can, if it wants to, is on the one hand the perfect touring companion with its saddlebags and a roller on the rear. On the other hand, there is this, let’s call it, crass sport mode and the tight chassis, which, with a little imagination, turn the Indian into a wild-horse bobber with which you would love to take part in the next drag race. This combination of angel and devil results in a composition that I didn’t understand at the beginning of the test, as many things seemed strange to me at first, compared to other machines of this type. But the Chief works differently and I think that’s a very good thing.


Conclusion


It’s always good to stand out from the competition, especially in these days of merging so many technical and optical parts. Moreover, it can be an important aspect in a customer’s decision to buy. With the Indian Super Chief Limited, this is achieved on the one hand by the independent look of the machine, but also by the still air-cooled strong heart in the middle. In addition, the frame, chassis and above all the cockpit make up for the few less successful points in my opinion and leave room for individuality. In this way, not only a Chief model is put on the road, but also something unique that transports the spirit of 120 years of company history into today. All of this is complemented by a huge chain of accessories for individualisation.

With this in mind, take a seat yourself in the Chief’s lap at a relaxed 660mm height. Feel the 335 kilograms of rock ’n roll beneath you and let yourself be fascinated to see for yourself. For my part, I have always been more of an Indian than a cowboy.

Best regards from Torsten Thimm, direct from the prairies of the wild south.

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