Fahrtest: BMW R18 Classic und B(agger) Heritage Style Made in Berlin (English Version Below)

Manchmal braucht man einfach etwas länger! Das liegt zum einen daran, dass ich aus meiner Sicht wohlverdient am Gardasee im Urlaub war, zum anderen weil selbst mir hin und wieder die Muse ausgeht und ich den richtigen Moment brauche, um frei schreiben zu können. Da dieser Artikel zudem ausschließlich hier im Blog und in den Social-Media-Plattformen erscheinen wird, kann ich außerdem ein paar mehr persönliche Aspekte einfließen lassen als normalerweise.

Vergangenheit wird Gegenwart

Heritage also, das Erbe! Ein Wort, das aus meiner Sicht in unserer stressigen Zeit immer mehr an Bedeutung gewinnt. Warum? Nun früher war nicht nur Vieles besser, nein als Kind der 70er kann ich ganz klar sagen, dass es auch in vielen Dingen einfach erheblich mehr Gemütlichkeit gab, für die wir heute oftmals kämpfen müssen. Was ich damit meine, sind genau solche Tage in denen wir trotz Uhren auch einfach mal Zeit für uns selbst haben. Freiraum um Momente wie früher zu erleben, die einfach länger im Kopf bestand haben als das tägliche Allerlei. Viele Produktentwickler und Hersteller haben das mittlerweile erkannt und versuchen uns mit klassisch gestylten Produkten diese Zeit zurückzugeben. Und auch die meisten Motorradhersteller sind bereits auf diesen Zug aufgesprungen und haben unter den aktuellen gesetzlichen Vorgaben eben diese besondere Art von Motorrädern auf den Markt gebracht. Ja ich weiß an dieser Stelle könnte ich mir auch eine alte R80 oder ein anderes altes Modell kaufen und glücklich werden, aber nicht jeder möchte das und für nicht jeden ist die alte Technik noch greifbar. Daher schwimmt BMW zurecht mit den NineT-Modellen und den jetzt vier R18 Modellen ganz oben auf der Heritage-Welle mit und bietet zugleich ein dem Boxermotor geschuldetes, ganz eigenes Design für seine Kunden an. Ein Design, das gefällt oder eben nicht, aber das macht die Biker Gemeinschaft ja auch aus, dass jeder das findet, was zu ihm passt und dem Gegenüber mit Respekt für das was er hat begegnet.

Heritage Tage

Bereits im Juni stellte BMW in Berchtesgaden das zweite R18 Model vor. In der grandiosen Berglandschaft und auf deren sensationellen Strecken konnten wir an zwei Tagen die R18 Classic ausgiebig testen. Ausgestattet mit dem bisher größten luft-/ölgekühlten Boxermotor, den man bei BMW in ein Motorrad eingebaut hat, bringt dieses Modell im Gegensatz zur First Edition noch Zusatzscheinwerfer, lederne Softbags und ein leicht abnehmbares Windschild mit. Letzteres gibt es glücklicherweise in diversen Ausführungen und Höhen, um den Ansprüchen der verschiedenen Fahrergrößen gerecht zu werden. Eine gute Sache denn spätestens nach dem ersten Stopp war das montierte Standard-Windschild der Geräusche wegen bei meiner Testmaschine passe.

Der Rest der Maschine allerdings passte zu mir wie angegossen. Auch an die durch den Motor in gewisser Weise vorgegebene Sitzposition hab ich mich nach dem Test der First Edition bereits gewöhnt und Gefallen gefunden, weil aktiver als bei anderen Cruisern. Mit meinen 172cm ist das Model geradezu maßgeschneidert für mich und der Dicke Motor mit seinen 91PS und 158Nm Drehmoment macht schaltfauels und entspanntes Cruisen zum reinen Genuss. Ein Genuss im Übrigen, der dem Begriff Heritage in jeder Situation gerecht wird, denn trotz der Menge an Motorrad, und dem barocken Look, bleibt die Handlichkeit nicht auf der Strecke. Aus diesem Grund bereitet die R18 auch auf kurvigen Strecken unheimlich viel Freude am Fahren. Einziger Makel neben der Scheibe, war bei der Classic die Kombination Trittbretter mit Schaltwippe, denn hierfür hatte ich wohl einfach zu dicke Schuhe gewählt.

Inklusive der technischen und elektronischen Annehmlichkeiten und zusätzlichen Ausstattungsmöglichkeiten hat man mit der Classic einen ganz wundervollen Cruiser an seiner Seite, der einen ab 23.250 Euro entspannt genau dorthin bringt, wohin man möchte. Dabei bietet er bereits großes Spaß- und Touringpotential in jeder Lebenslage und dem Fahrer stehts ein Lächeln unterm Helm. Doch mehr geht immer….

Die Zubehörliste der Classic:

https://www.bmw-motorrad.de/de/models/heritage/r18-classic/accessories.html

Dickes B oben von der Spree

R18 First Edition und Classic hin, R18 B(agger) und Transcontinental her. Mehr und grösser geht immer und natürlich greifen die Bayern mit der R18 direkt da an wo es den Amerikanern aus Milwaukee und den Indianern weh tut. Alleine die Absatzzahlen der beiden ersten Modelle (über 4000 Einheiten) waren schon sensationell und dürften sich mit den beiden größeren Schwestern noch erheblich erhöhen. Allen vieren gemein bleibt der 1800er Motor, bei dem BMW verspricht, das er zwischen 2500 und 3500 Umdrehungen stehts, satte 100 der 158 maximalen Drehmomente zur Verfügung stellt. Doch anders als bei den beiden ersten Modellen zieht nun noch einmal erheblich mehr Technik in die B und T ein. Das Fahrwerk wurde den Gegebenheiten durch einen Niveauausgleich am Heck inklusive einem anderen Lenkkopfwinkel angepasst (57,3 Grad R18 und Classic) 62,7 Grad R18 B und T.

Die Ausstattungen werden weiters durch eine Musikanlage inklusive Marshall Lautsprecher (Systemleistung 90dB), der kompletten BMW Connectivity inklusive mächtigem Display und dem von anderen Modellen bekannten Drehrad an der linken Amatur erweitert. Feste Koffer (Toploader) rechts und links an der B und die Ausführung mit riesigem Topcase an der Transcontinental, sowie die lenkerfesten Verkleidungen machen die Beiden zu dem was sie sind, echte Großtourer im Cruiser Segment. Dabei konnte ich die T bei der Präsentation rund um den Großen Feldberg im Taunus leider nicht fahren, die B allerdings schon. Das Gesamtkonzept ist kurz gesagt stimmig. Eben von allem etwas mehr als bei den ersten Modellen. Vollgepackt mit Technik und sogar einem Abstandsradar bilden die beiden dicken Schwestern zurzeit zudem die Spitze dieses Segmentes am Markt ab. Dabei lassen sich die Beiden in ihrem sehr großen Rahmen ausgezeichnet bewegen. Durch den breiten Lenker merkt man zudem recht wenig vom Gewicht der lenkerfesten Verkleidung und der Winddruck nimmt erheblich gegenüber den nackten Schwestern ab. Die drei Fahrmodi arbeiten natürlich auch hier wie bereits bekannt ausgezeichnet.

Nimmt man jedoch den ursprünglichen Heritage-Gedanken vom Beginn dieses Textes wieder auf, so wäre mir persönlich sowohl die B als auch die T einfach zu viel des Guten. Für die amerikanische Prärie und ihren damit verbunden Hauptabsatzmarkt, die dort zumeist langen Straßen und Weite passen diese beiden Modelle allerdings besser als die nackte R18 und die klassische Schwester. Der Preis der B beginnt bei 26600 Euro und kann in der Spitze je nach Individualisierung locker über 30000 Euro ansteigen. Bei der Transcontinental startet der Spaß bei 27650 Euro und wenn man das möchte, kann man hier gerne Werte über 40000 Euro erreichen.

Die Zubehörliste der B(agger) und Transcontinental:

https://www.bmw-motorrad.de/de/models/heritage/r18-b/accessories.html

https://www.bmw-motorrad.de/de/models/heritage/r18-transcontinental/accessories.html

Fazit

Die R18 Familie bietet mit den vier Modellen mittlerweile für jedes Gusto das richtige Motorrad. Natürlich muss man sich auf einige dem Boxer geschuldete Eigenheiten einlassen (Sitzposition), die ein klassischer V2 so nicht bietet oder gar hat. Tut man das bekommt man ausgereifte Technik Made in Berlin, die dem Slogan der BMW Group entsprechend jede Menge Freude am Fahren beschert. Mir wäre in Anbetracht meiner Streckenprofile und dessen was ich mir mit so einem Motorrad vorstelle, die nackte R18 oder die R18 Classic am liebsten, denn sie verkörpern für mich am meisten, den Begriff Heritage. Im Übrigen sind beide Modelle ein Garant für entspanntes Cruisen und eben das besondere Erlebnis für Geist und Seele.

Road Test: BMW R18 Classic and B(agger) Heritage Style Made in Berlin

Sometimes you just need a little longer! This is partly because I was on a well-deserved holiday at Lake Garda and partly because even I run out of muse once in a while and need the right moment to be able to write freely. Since this article will also only appear on the blog and social media platforms, I can also include a few more personal aspects than usual.

Past becomes present

Heritage then! A word that, from my point of view, is becoming more and more important in our stressful times. As a child of the 70s, I can say quite clearly that there was a lot more cosiness in many things that you often have to fight for today. What I mean by that are precisely those days when, despite our watches, we simply have time for ourselves. Time to experience moments like we used to, moments that simply last longer in our minds than the daily grind that many of us experience every day. Many product developers and manufacturers have meanwhile recognised this and are trying to give us back this time at least a little bit with classically styled products. And most motorbike manufacturers have already jumped on this bandwagon and brought this special type of motorbike onto the market under the current legal requirements. Yes, I know that at this point I could buy an old R80 or another old model and be happy, but not everyone wants that and not everyone has access to the old technology. That’s why BMW is rightly swimming at the top of the heritage wave with the NineT models and the now four R18 models, while at the same time offering its customers a design that is all their own, thanks to the boxer engine. A design that is either liked or disliked, but that’s what makes the biker community so special: that everyone finds what suits them and treats the other person with respect for what they have.

Heritage Days

BMW presented the second R18 model in Berchtesgaden in June. In the magnificent mountain scenery and on the sensational tracks there, we were able to test the R18 Classic extensively over two days. Equipped with the largest air/oil-cooled boxer engine ever built into a motorbike by BMW, this model, in contrast to the First Edition, comes with additional headlights, leather softbags and an easily removable windshield. Fortunately, the latter is available in various versions and heights to meet the needs of different rider sizes. This is a good thing, because after the first stop at the latest, the standard windshield on my test bike was no longer suitable because of the noise it made.

The rest of the bike, however, fitted me like a glove. After testing the First Edition, I also got used to the seating position, which is to a certain extent dictated by the engine, and even liked it. With my 172cm, the model is virtually tailor-made for me and the thick engine with its 91HP and 158Nm of torque makes shifting gears and relaxed cruising a pure pleasure. A pleasure, by the way, that does justice to the term Heritage in every situation, because despite the amount of motorbike and the baroque look, the handiness does not fall by the wayside. For this reason, the R18 is an immense pleasure to ride, even on winding roads. The only flaw for me, apart from the disc, was the combination of running boards with gearshift paddles on the Classic, because I had probably chosen shoes that were just too thick.

Including the technical and electronic conveniences and equipment options, the Classic is a wonderful cruiser that will take you exactly where you want to go in a relaxed manner for 23250 euros. It already offers great fun and touring potential in every situation and the rider always has a smile under his helmet. But more is always possible….

Made in Berlin

R18 First Edition and Classic, R18 B(agger) and Transcontinental. More and bigger is always possible and, of course, with the R18 the Bavarians are attacking directly where it hurts the Americans from Milwaukee and the Indians. The sales figures of the first two models alone (over 4000 units) were already sensational and should increase considerably with the two larger sisters. Common to all four is the 1800cc engine, which BMW promises will deliver a whopping 100 of the 158 maximum torques between 2500 and 3500 revolutions. But unlike the first two models, the B and T now feature considerably more technology. The chassis has been adapted to the conditions by means of level compensation at the rear, including a different steering head angle (57.3 degrees R18 and Classic) 62.7 degrees R18 B and T.

The equipment is further enhanced by a music system including Marshall loudspeakers (system output 90dB), the complete BMW Connectivity including a powerful display and the rotary wheel on the left-hand dashboard familiar from other models. Fixed cases (toploaders) on the right and left of the B and the version with a huge topcase on the Transcontinental, as well as the handlebar-mounted fairings make the two what they are, real big tourers in the cruiser segment. Unfortunately, I wasn’t able to ride the T at the presentation around the Großer Feldberg in Taunus, but I was able to ride the B and the overall concept seemed coherent to me. A bit more of everything than the first models. Packed with technology and even a distance radar, the two fat sisters currently represent the top of this segment on the market and are easy to handle in their very large frame. Thanks to the wide handlebars, you also notice very little of the weight of the handlebar-mounted fairing and the wind pressure is considerably less than on the naked sisters. The three riding modes also work here as already known.

However, if one takes up the original Heritage idea from the beginning of this text again, both the B and the T would simply be too much of a good thing for me personally. However, for the American prairie and its associated main sales market, the mostly long roads and wide open spaces there, these two models fit better than the naked R18 and its classic sister. The price of the B starts at 26600 euros and can easily rise above 30000 euros at the top, depending on individualisation. With the Transcontinental, the fun starts at 27650 Euros and if you want to, you can easily reach values over 40000 Euros here.

Conclusion

With its four models, the R18 family now offers the right motorbike for every taste. Of course, you have to accept some peculiarities of the boxer (seating position) that a classic V2 does not offer or even have. But if you do, you get sophisticated technology made in Berlin, which, in keeping with the BMW Group’s slogan, gives you a lot of riding pleasure. In view of my route profiles and what I imagine with such a motorbike, I would prefer the naked R18 or the R18 Classic, because for me they embody the concept of heritage the most. Incidentally, both models are a guarantee for relaxed cruising and a special experience for mind and soul.

Bilder Markus Jahn, Jörg Künstle und TT-Motorbikeblog

In diesem Sinne selber testen und sich einfach einmal treiben lassen

Euer Torsten Thimm

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